Also doch: Sektengelder vom Schoggi-König

Der Schweizer SonntagsBlick berichtet am 11. Juli 2004

ENNENDA GL. Neue Dokumente beweisen: Merkur-Besitzer Jürg Läderach (44) ist Financier der dubiosen Kwasizabantu-Mission. Seine rumänische Heidi-Fabrik gehört zum Teil sogar den Sektenchefs.

VON BEAT JOST

Der Glarner Schoggikönig Jürg Läderach mischt bei Kwasizabantu (KSB) mit, meldete SonntagsBlick vor vier- zehn Tagen, und die Chefs seiner Bukarester Schokola- defabrik Heidi drängen dieMitarbeiter sogar dazu, der umstrittenen Freikirche beizutreten. Läderach stritt das ab: Geschäft und Privatleben trenne er strikt.

Das ist gelogen», sagen jetzt frühere Mitglieder der sektenähnlichen Vereinigung: «Jürg Läderach ist der wahre Chef und Schirmherr von Kwasizabantu Schweiz. Er finanziert die Mission.» Die Aussage stammt von A.N.*, der viele Jahre lang in wichtigen KSB-Gremien aktiv war. Auch Matthias Kuhnert (31) bestätigt: Läderach ist die zentrale Figur bei Kwasizabantu Schweiz. Aber auch er ist nur ein Befehlsempfänger, der machen muss, was Missionsgründer Erlo Stegen und sein Bruder Friedel ihm befehlen.»

MATTHIAS KUHNERT hat den Alltag bei Kwasizabantu hautnah miterlebt. Der Maurer aus Dresden (D) war nach dem Abschluss seines Studi ums als Bauingenieur von 1998 bis 2002 «Werkmissionar» bei der Freikirche. Im rumänischen Voiteg bei Timisoara baute Kuhnert auf dem sechs Hektaren grosscn Gelände einer einstigen Kolchose eine neue Missionmit auf. Vier Jahre Arbeit für Gotteslohn – ausser Kost und Logis erhielt er nur eine Erstattung seiner Krankenkassen-beiträge und das Benzin für ein uraltes Auto.

DIE MISSION besteht aus einem Haupthaus für fünfzig Bewohner, siebzehn grossen Sälen für Freizeitbegegnungen der Mitglieder, einer Schreinerei sowie einer Bäckerei, einer Mühle und einer Milchpulveranlage für Läderachs

\Heidi-Fabrik in Bukarest. «Ich glaubte, die Betriebe dienten der Selbstversorgung der Mission», erklärt Baumeister Kuhnert. «Erst später habe ich gemerkt, dass sie separat wirtschafteten. Das Geld der Holzfäbrik zum Beispiel kam nicht der Mission zugute, sondern floss in die Schweiz ab.»

In der Schweiz betreibt Kwasizabantu die Geschäfte über zwei Firmen: Die Hof Oberkirch AG mit 400000 Franken Aktienkapital. Ihr Verwaltungsratspräsident ist Jürg Läderach. Der AG gehören die Missionsliegenschaften in Kaltbrunn SG und die einstige Fleischfabrik Kunz in Bilten GL. Die Kosi GmbH in Bilten, eine Holzhandelsfirma. Mitinhaber: Kwasizabantu-Seelsorger Friedel Stegen. Doch das ist nur ein Teil des Sektenimperiums. Aussagen von ehemaligen Kwasizabantu-Mitgliedern, die SonntagsBlick vorliegen, zeigen: Die Firma Läderach ist direkt in die Geschäfte der Sekte verstrickt. Hier die Vorwürfe der Aussteiger – und was Jürg Läderach dazu sagt:

4 Vorwurf l: Der Kwasizabantu-Seelsorger Hans Koller ist an den Gewinnen der Heidi-Fabrik in Bukarest beteiligt. Läderach bestätigt das. Die Läderach AG halte nur 51 Prozent an Heidi, der Rest gehöre privaten Investoren. Läderach: «Pfarrer Kollers Anteil beträgt 12 Prozent.»

4 Vorwurf 2: In der Heidi-Fabrik werden Gottesdienste gefeiert. Dazu Läderach: «Es ist richtig, dass sich Geschäftsführer Konrad Hafner nach Arbeitsschluss gelegentlich mit einer Gruppe von zehn bis zwanzig Leuten trifft. Solche Bibelkreise existieren in vielen Firmen überall auf der Welt.»

4 Vorwurf 3: Die Firma Läderach finanziert die Mission

in Voiteg. Dazu Läderach: «Die Firma Heidi unterstützt Projekte der Kwasizabantu-Mission in Rumänien, der sie ihre Anfänge verdankt.»

4 Vorwurf 4: Unter dem Vorwand der Weiterbildung in Läderachs Firma in Ennenda GL kommen Mitarbeiter aus Rumänien regelmässig in die Schweiz. Matthias Kuhnert,

der mehrmals Rumänen in die Schweiz brachte: «In Tat und Wahrheit haben sie bei Kwasizabantti in Kaltbrunn und Bilten schwarz auf dem Bau gearbeitet.» Läderach bestreitet den illegalen Einsatz der Rumänen: «Die arbeiteten und arbeiten immer nur für die Firma Läderach.»

* Der richtige Name ist der Redaktion bekannt