Artikel St. Galler Tagblatt:Domino Servite unter der Lupe

Artikel St. Galler Tagblatt vom 23.10.2006

St. Galler Regierung muss zu Vorwürfen gegen Kaltbrunner Privatschule Stellung nehmen

St. Gallen. Im Juli wurde in mehreren Medien der Psychoterror in der vom Kanton bewilligten Privatschule Domino Servite in Kaltbrunn geschildert. Das Amt für Volksschule argumentierte, die Beweise für Massnahmen reichten nicht aus. Nun muss die Regierung dazu Stellung nehmen.

Andreas Kneubühler

In der Privatschule Domino Servite in Kaltbrunn herrschten Unterdrückung und Angst, wer sich nicht an die Regeln halte, müsse mit Psychoterror rechnen. So schilderte Sektenspezialist Hugo Stamm die Zustände im Hof Oberkirch. Die Schule sei mit der fundamentalistischen Freikirche Kwasizabantu verbunden, hielt Stamm fest.

Zur Disziplinierung nach Afrika

Recherchen bei ehemaligen Mitgliedern von Kwasizabantu bestätigten die Kritik. Sie schilderten ein von alttestamentarischer Frömmigkeit geprägtes Klima, aber auch von Bespitzelungen und Druckversuchen gegen alle, die eine abweichende Meinung vertreten. Schülerinnen und Schüler, die nicht spurten, müssten damit rechnen, zur Disziplinierung nach Südafrika, dem Gründungsort der Freikirche, geschickt zu werden.

Ein fünfzehnjähriger Schüler bestätigte dies. Er sei für drei Monate nach Südafrika verbannt worden. Dort habe er jeden Tag auf den Feldern des Missionswerkes arbeiten müssen. Immer wieder sei er bearbeitet worden, seine angeblichen Verfehlungen einzugestehen, schilderte der Jugendliche.

Hieb- und stichfest?

Über die Zustände in der Schule wurde der Erziehungsrat 2004 durch ein ehemaliges Mitglied von Kwasizabantu informiert. Eine Rückmeldung auf die Aussagen gab es nie, kurz darauf erhielt das Internat die Bewilligung des Kantons, die Schule besass sie bereits seit 1997.

Felix Baumer, Leiter des kantonalen Amtes für Volksschule, erklärte nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe im Juni, das Erziehungsdepartement könne nur reagieren, wenn die Vorwürfe hieb- und stichfest seien. Es brauche beispielsweise die Erklärungen mehrerer Eltern zu aktuellen Vorkommnissen, damit der Kanton aktiv werden könne.

Mehr Inspektionen gefordert

Jetzt ist der Handlungsspielraum gegen Domino Servite Thema einer in der Septembersession eingereichten Interpellation von SP-Kantonsrätin Daniela Colombo (Jona). Der Vorstoss wurde von den meisten bürgerlichen Kantonsräten aus dem Linthgebiet mitunterzeichnet. Die Interpellantin verlangt von der Regierung eine Stellungnahme zu den massiven Vorwürfen und will wissen, wie darauf reagiert wurde: «Sind die Kontrollen erhöht worden und wenn ja, zu welchem Ergebnis ist die Regierung gekommen?» Es sei wohl möglich, dass der Spielraum wegen der Religionsfreiheit begrenzt sei, argumentiert Daniela Colombo. Aber zumindest so weit wie möglich müsse der Kanton handeln. «Etwa durch zahlreiche und andauernde Inspektionen, mit denen allfällige Inszenierungslektionen aufgedeckt werden.»

Jürg Schuppli, Schulleiter von Domino Servite, hatte die Vorwürfe im Juni zurückgewiesen, war dabei aber nicht auf die einzelnen Kritikpunkte eingegangen. Domino Servite sei eine staatlich bewilligte, überkonfessionelle, christliche Privatschule, hielt er fest. «Wir halten uns an die gesetzlichen Richtlinien des Kantons.» Der Kaltbrunner Schulratspräsident Ernst Räber ist für Kontrollen zuständig. Drei- bis viermal jährlich besuche er die Schule, sagte Räber. Probleme habe er dabei nie festgestellt.