Der Skandal erschüttert Südafrika

Die Untersuchungen haben begonnen / „Die KSB-Aussteiger wollen nur Geld“

Es ist ein Oktober, den niemand vergessen wird, der je mit der „Mission KwaSizabantu“ zu tun hatte. Denn der Oktober 2020 ist der Monat, in dem endlich etwas geschieht in dem Drama um die Sekte  des deutschstämmigen Erlo Stegen in KwaZulu Natal. Zu verdanken ist dies einem Team ehemaliger Mitglieder der Mission, das das größte englischsprachige Online-Nachrichtenportal Südafrikas, News 24, dafür gewinnen konnte, sich der Katastrophe anzunehmen, die sich seit 50 Jahren in KSB abspielt, aber immer wieder erfolgreich unter den Teppich gekehrt wurde. Jetzt, nach der ausführlichen Berichterstattung über Missbrauch in jeder Form, über Gewaltexzesse, Vergewaltigungen und Veruntreuung riesiger Geldbeträge, jetzt, nachdem ein Millionenpublikum in Südafrika Kenntnis von den Vorfällen bekommt –   jetzt kann der Staat Südafrika nicht mehr wegschauen. Und er schaut nicht mehr weg.

 

Hier eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse der letzten Tage.

Als erstes befasst sich nun Südafrikas Kommission für den Schutz von Kultur-, Religions- und Sprachgruppen (CRL) in aller Öffentlichkeit mit den massiven Vorwürfen gegen die Mission KwaSizabantu. Die Menschenrechtskommission wird folgen. Die Spezialeinheit des Staates für Organisierte Kriminalität, Korruption und Wirtschaftskriminalität, HAWKS, ermittelt die Betrugsvorwürfe.

Die CRL-Kommission hat inzwischen mehrere öffentliche Anhörungen abgehalten, zuerst in Durban, dann in Johannesburg. Weitere Anhörungen sollen in Kapstadt erfolgen. Die Kommission hat nicht nur eine Flut von Mails mit persönlichen Berichten über schwerste Misshandlungen aller Art durch KSB aus ganz Südafrika erhalten, sie hat auch viele Zeugen und Opfer der Missstände auf der Mission angehört, bislang sind etwa 30 bis 40 Zeugen. Die Zeugnisse der Opfer waren zum Teil derart aufwühlend, dass die Berichte selbst hartgesottener Profis der Rundfunk- und Fernsehsender im Land erkennen ließen, wie sehr ihnen die Schilderungen unter die Haut gingen. Die Deutsche Welle brachte einen ausführlichen Bericht mit der Überschrift: „KwaSizabantu-Mission-Skandal erschüttert Südafrika“. In den Sitzungen der Kommission fließen viele Tränen, manche der Zeugen müssen wegen Weinkrämpfen ihre Aussagen immer wieder unterbrechen.

Einige Zeugen, die vor der Kommission ausgesagt haben und manche potentielle Zeugen, erhielten in den Tagen darauf merkwürdige e-Mails und nachts anonyme Telefonanrufe in denen sie zum Schweigen aufgefordert wurden.

Die Mission KwaSizabantu  bezeichnete die Untersuchungen der Kommission bereits in einer ersten öffentlichen Reaktion als „fatal fehlerhaft“ und äußerte Bedenken hinsichtlich der Objektivität und Transparenz der Untersuchung. Die Kommission habe  sie bereits ohne Anhörung vor Gericht gestellt und verurteilt.

Nach einer Anhörung vor der Kommission titelte die Zeitung „The Sowetan“: „Ehemaliger Pastor weint, als er von einer Vergewaltigung erzählt, die angeblich bei der KwaSizabantu-Mission vertuscht wurde“. News 24 schreibt, der Pfarrer habe ausgesagt, dass die Mission alle verflucht, die sie verlassen. Charakteristisch für die Mission sei, dass KSB Verstand und Haltung seiner Mitglieder kontrolliere.

KwaSizabantu veröffentlichte nach den ersten Tagen der Anhörungen ein 15-seitiges Papier, neun Seiten davon geschrieben von KSB-Rechtsanwalt  M. de Wet – wichtigste Aussage darin: Die Mission bestehe darauf, dass bei einem Besuch der Kommission nur deren Mitglieder und deren administratives Personal Zugang zur Mission habe. Keine Presse, niemand sonst….

Aus der nächsten Sitzung der Kommission kommt die WhatsApp eines Beobachters: „Der Vorsitzende vertagt die Sitzung mit der Begründung, dass der Anwalt von KwaSizabantu heftige  Anschuldigungen gegen ihn erhebt und sie darüber sprechen müssen.“

Bei der Anhörung der Abgesandten der Mission KwaSizabantu verlassen diese sofort die Sitzung, nachdem der Vorsitzende der Kommission dem Verlangen von KSB nicht nachkommt, sich bei der Mission für Kommentare zu entschuldigen, die er gegenüber Medien nach den vergangenen Sitzungen abgegeben  hat.  Die CRL-Kommission machte jedoch unmissverständlich klar,  trotz des Auszugs der KSB-Vertreter weiter zu ermitteln. Eine Delegation der Provinzregierung KwaZulu Natal forderte daraufhin bei einem Kurzbesuch in der Mission deren Leiter zur Zusammenarbeit mit der CRL-Kommission auf. Es müsse tiefer gegraben werden um die Wahrheit herauszufinden, sagte Nonhlanhla Khoza, MEC für soziale Entwicklung.  Missbrauch könne nicht toleriert werden.

Die Sunday Times meldet: „KwaSizabantu-Mission beschuldigt, mit Angst zu regieren. Ermittler berichteten von Vergewaltigung und Kindesmissbrauch, aber Kirche wehrt sich gegen Untersuchung.“

Nachdem die Mission KwaSizabantu bereits in Stellungnahmen behauptet hatte, den Initiatoren der Untersuchungen gegen die Mission , also ehemaligen Mitgliedern von KSB, ginge es vor allem um Geld und sie wollten die Mission übernehmen, wird über Twitter gemeldet, Stegen-Tochter Ruth Combrink behaupte , eines der  angeblichen Opfer sei dazu gezwungen worden, falsche Anschuldigungen gegen die Mission zu erheben. Diese Behauptung wird auf einer Versammlung auf der Mission am Sonntag, dem 18. Oktober, wiederholt.

Es kommt zu einem Besuch von Presse, Funk und Fernsehen auf KwaSizabantu.  Für Michael Ngubane, einen der ranghöchsten Mitarbeiter der Mission, „ein wunderbarer Tag“, wie er im Fernsehen sagt. Pressemitarbeiter kommentieren das im kleinen Kreis sarkastisch: „Keine Prügel, keine Vergewaltigung heute – tatsächlich, ein wunderbarer Tag!“ Die Fernsehanstalten berichten zurückhaltend-skeptisch über den Empfang auf KSB.

 

Der deutsche Bischof Martin Frische, der in Pretoria wohnt, sagt vor der Kommission in Johannesburg  aus, dass er seit 40 Jahren Erfahrungen mit der Mission KwaSizabantu habe. Vorwürfe über Missbrauch  dort kenne er seit 1978. Seiner Ansicht nach  sei KSB eine Sekte, die jede Verantwortung für die Vorkommnisse in ihren Reihen schon immer abgelehnt habe. Er fragte: „ Wie viele Vergewaltigungen müssen wir beweisen, bis es einen Aufschrei von der Regierung, von Menschen, von der Welt gibt; wie viele Vergewaltigungen?“  Sein Zeugnis wiegt schwer ­– er war einer der Mitinitiatoren der Untersuchungen im Jahr 2000. Vor der Kommission sagen auch Barney Mabaso, ehemals Zweigstellenleiter von KSB, sein Sohn Smanga,  und  Dr. Peet Botha aus.

Der Fernsehsender „Newsroom Afrika“ sendet in seinen Abend-Nachrichten fast vier Minuten unter dem Titel „Aus den Anhörungen in der KwaSizabantu-Mission gehen weiterhin schockierende Enthüllungen hervor“. Die Reporterin Sipha Kema, die die Anhörungen verfolgt, ist sichtlich geschockt über die furchtbaren Berichte der missbrauchten Opfer. Moderator Ayanda Nyathi bezeichnet in einer anderen Sendung die  Vorgänge um KSB als den „größten religiösen Skandal in der Geschichte Südafrikas“. Als er Ruth Combrink in seiner Sendung „AM News“ interviewt, bekommt er nur die alten, immer wiederkehrenden Aussagen von KSB zu hören – wie schön alles sei auf KSB, wieviel Gutes sie tun usw.  Ab und zu muss er eingreifen, etwa so: „Sie haben meine Frage nicht beantwortet.“ Es hilft wenig, Caombrink spult ihr Programm ab.   Sie erklärt, sie seien „geschockt von den Vorwürfen“ – und um die Wahrheit herauszufinden hätten sie eine unabhängige Kommission gebildet, die die Vorwürfe aufklären soll. Sie begrüßte jedoch auch, dass die CRL-Kommission die Vorwürfe untersucht – deren Anhörung  KwaSizabantu kurz zuvor noch unter Protest verlassen hatte.

Am nächsten Tag lautet eine Überschrift in News 24 über den Bericht über eine weitere Zeugenanhörung: „Sie wurden geschlagen, bis sie in die Hose machten.“

IOL, eine weitere große Newsplattform in Südafrika schildert aus einer  Anhörung: „Ein Zeuge erläuterte, wie er von 10 Fällen von Vergewaltigung in KwaSizabantu  erfahren hatte. Im ersten Fall ging es um ein 16-jähriges Mädchen, das von einem Pastor vergewaltigt wurde, und als sie das Problem einem älteren Pastor meldete, vergewaltigte auch er sie“.

Unterdessen ermutigt der Exekutivrat der Provinz KwaZulu Natal   die Menschen, die CRL-Kommission zu kontaktieren und ihre Zeugenaussagen anzubieten, damit die Wahrheit über alle Anschuldigungen festgestellt werden kann.

Weitere schwerwiegende Beschuldigungen auch in der nächsten Anhörung – Überschrift bei New24: „Töchter des KwaSizabantu-Führers in sexuelle Übergriffe verwickelt“. Eine  Zeugin sei gezwungen worden, an den Brüsten der Stegen-Töchter zu saugen und sie an „anderen Stellen ihres Körpers zu berühren“.

„The Sowetan“ berichtet aus einer Anhörung:

„Die CRL Rights Commission hat bei der Anhörung in Johannesburg am Donnerstag weitere erschreckende Einblicke in mutmaßliche Missbräuche in der in KwaZulu-Natal ansässigen christlichen Mission KwaSizabantu erhalten.

Eines der mutmaßlichen Opfer sagte aus, wie ihre Familie zerrüttet zurückgelassen wurde, nachdem ihr Bruder unter mysteriösen Umständen in der Kirche gestorben war.

Nduduzo Mtungwa sagte, nachdem ihr älterer Bruder einen Brief an ein Mädchen geschrieben hatte, sei er einige Tage später tot in einem Raum der Kirche liegend aufgefunden worden. Er wurde geschlagen, angeblich von ihrem Onkel, der wie ihre Eltern Teil der Kirche war. Ihre Familie glaubt jedoch, dass ihnen nicht die ganze Geschichte erzählt wurde und dass ihr Onkel als Tarnung benutzt wurde.  „Ich hätte gerne, dass jemand Nachforschungen anstellt, damit wir die Wahrheit darüber erfahren können, was wirklich passiert ist“, sagte sie.“

 

Und immer wieder ähnliche Überschriften in ganz Südafrika: „CRL-Kommission hört erschütternde Zeugenaussagen über sexuelle Übergriffe und leere Versprechungen in KwaSizabantu.“

Am Mittwoch, 21. Oktober, besucht die CRL-Kommission die Mission KwaSizabantu. Dort wird momentan das ganze Gelände geputzt, die Bewohner der Mission wurden am Sonntag in einem zweieinhalbstündigen Meeting für den Tag gebrieft.  Aus KwaSizabantu kommt die Nachricht ,  dass auf dem Meeting vor ehemaligen KSB-Mitgliedern gewarnt wurde, die angeblich 20 000 Rand dafür bieten, wenn jemand vor der CRL-Kommission erfundene Geschichten  über Missbrauch und Schläge etc. erzählt. Auch die Fantasiegeschichten von der angestrebten Übernahme der Mission und ihrer Betriebe wurde wiederholt. Weitere Äußerungen in der Versammlung erinnern an die Durchhalteparolen und das Gebaren der Sekte von Jim Jones in Guyana. (Siehe Wikipedia: Jonestown-Massaker). Die Mission hat unterdessen ihre Anhänger aufgefordert, positive Zeugnisse über ihr Leben mit KSB zu liefern, um den massiven Vorwürfen in der Öffentlichkeit begegnen zu können. Auf der Webseite der Mission stapeln sich jetzt die Berichte über die schöne Welt auf KwaSizabantu.

Der Vorhang der schönen Geschichten soll den riesigen Berg an Sünde und Schuld dahinter verbergen.

Unterdessen plant die CRL-Kommission eventuell auch Zeugen aus Europa über Missbrauch in den Reihen von der KwaSizabantu-Mission anzuhören. Zeugnisse über Missbrauch können der Kommission an folgende E-Mail-Adresse gesendet werden:

Mpiyakhem@crlcommission.org.za

 

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