Evangelikale distanzieren sich von Missionswerk Kwa Sizabantu

Kritiker sehen sektenhafte Züge – Leitung deckte Seelsorger trotz sexuellen Missbrauchs

Marcus Mockler

P i e t e r m a r i t z b u r g (idea) – Die Evangelische Allianz Südafrikas und Vertreter verschiedener evangelischer Kirchen warnen vor dem Missionswerk Kwa Sizabantu (KSB, Kranskop). Der Organisation, die weltweit rund 40.000Anhänger hat – darunter 1.000 in Deutschland und 600 in der Schweiz – werden „geistlicher, körperlicher und seelischer Mißbrauch“ ihrer Mitglieder vorgeworfen. In einer in Pietermaritzburg veröffentlichten Erklärung heißt es, leitende Mitarbeiter verletzten vorsätzlich das Seelsorgegeheimnis, um die Kontrolle über die Mitglieder zu verstärken. Familien würden auseinandergerissen, wenn ein Mitglied nicht bedingungslos dem Kurs der Missionsleitung folge. Selbst Lügen würden als legitimes Mittel zur Verteidigung der Organisation betrachtet. Unterzeichnet ist das Papier von 14 prominenten evangelischen Theologen des Landes, darunter Moss Nthla, Generalsekretär der Evangelischen Allianz; Michael Cassidy, Leiter des Missionswerkes „African Enterprise“; Martin Frische, nationaler Direktor der Radiomission „Trans World Radio“; sowie Hugh Wetmore vom Baptistenbund.

Missionsleitung verweigerte Gespräch über kritische Punkte
Die Unterzeichner haben nach eigenen Angaben bei drei Zusammenkünften rund 20 Zeugen angehört. Deren Geschichten seien „schockierend und alarmierend“. So habe die Leitung von Kwa Sizabantu fast fünf Jahre lang einen damals führenden Mitarbeiter und ehemaligen Generalsekretär von „Christen für die Wahrheit“ gedeckt, obwohl sie darüber informiert gewesen sei, dass dieser als Seelsorger Mädchen sexuell missbraucht habe. KSB-Leiter Erlo Stegen habe Mitglieder, die sich vom Kurs des Werkes distanziert hätten, mit Flüchen belegt. Einschüchterung werde als Mittel der Manipulation gebraucht. In mindestens zwei Fällen hätten KSB-Angehörige infolge dieses Vorgehens Selbstmord begangen.

Zur Pädagogik des Missionswerkes gehörten brutale körperliche Züchtigungen der Kinder in Familien und bis Anfang der neunziger Jahre auch an der Missionsschule. Kleinkinder seien Mitte der siebziger Jahre wegen geringster Vergehen in Schränke eingesperrt worden. Männer und Frauen, deren Ehepartner sich nicht der Leitung unterwürfen, sei zur Scheidung geraten worden. „Kwa Sizabantu steht in der Gefahr, sektenhafte Züge zu entwickeln“, so die Erklärung. Dazu gehöre auch, daß die Missionsleitung trotz mehrfacher Bitten nicht bereit gewesen sei, mit den Repräsentanten von Kirchen und evangelischen Werken über die Beschwerden zu sprechen. Einzelpersonen seien zwar zum Besuch des Missionswerkes eingeladen worden, eine Diskussion der kritischen Punkte hätten Stegen und seine Mitarbeiter aber abgelehnt.

Stegen: Gemeindeangelegenheiten gehören nicht in die Medien
Auch idea konnte von Stegen keine Stellungnahme zu den Vorwürfen erhalten. Auf Anfrage teilte er mit, er habe die Erklärung von Pietermaritzburg noch nicht durchgearbeitet.Außerdem sehe er es nicht gerne, wenn Gemeindeangelegenheiten in den Medien veröffentlicht werden. „Da leidet das Werk Gottes darunter“, so Stegen. Derzeit finde auf Kwa Sizabantu eine Kinder- und Jugendfreizeit statt, bei der tausende zum Glauben kämen. „Wir haben noch nie solchen Segen gehabt wie augenblicklich.“ Die Erklärung der Kritiker werde man im Mitarbeiterkreis besprechen.

Wachsender Druck: Riss geht auch durch deutsche KSB-Sektion
Gegen das Missionswerk sind in den vergangenen Monaten ähnliche Vorwürfe von ehemaligen Mitgliedern – darunter engste Angehörige der Familie Stegen – erhoben worden. In Deutschland haben vor einem Jahr rund 130 Mitglieder – darunter mehr als ein Drittel des Leitungsteams – dem Werk den Rücken gekehrt. Bislang hat die Leitung sämtliche kritischen Punkte als Teil einer „Kampagne“ zurückgewiesen.
Das Missionswerk ist eng mit der evangelikalen Bewegung Südafrikas verwoben, Mit der jüngsten Erklärung der Kritiker hat der Druck allerdings erheblich zugenommen. Mitte Juni hat sich die 450 Mitglieder zählende KSB-Gemeinde in Tugela Ferry von dem Werk getrennt. (82/2000/4)