Eine Trennung, die keine echte Trennung ist

Die Ex-KSB-Europäer bleiben auf Kurs Kwasizabantu / „Sie wollten uns zu Zulus machen“

Auch wenn es eine ernste Angelegenheit ist – man könnte Berichte über die „Mission“ Kwasizabantu gelegentlich auch mit einem Witz beginnen. Zum Beispiel mit diesem:

 Lydia Dube ist mal wieder zu Besuch im Himmel, da wird sie an der Pforte von Petrus gefragt: „Sag mal Lydia, ich habe gehört, die Erweckung auf Kwasizabantu ist lebendiger als je zuvor, stimmt das?“    Lydia zögert einen Moment ob sie mal  die Wahrheit sagen soll, dann antwortet sie: „Ja, Petrus, stimmt! Ich  kann dir das auch beweisen: die Zahl der Sünder auf Kwasizabantu nimmt gewaltig ab – die aus Europa sind schon alle weg!“. 

So ungefähr muss man sich die Lage auf Kwasizabantu in Südafrika vorstellen: Die Erweckung als solchewird  in den höchsten Tönen gepriesen – nur, es gibt sie nicht, im Gegenteil, sie ist tot. Qualifizierte  Fachkräfte mit ihren Familien  verlassen die  Mission, eine Schwester von Lydia Dube suchte das Weite, Erlo Stegens Privatsekretärin ist gegangen, die Tochter von Kurt und Bärbel Koch ist nicht mehr da. Die Zeichen der Zeit stehen auf Trennung. Getrennt haben sich auch fast alle  europäischen Zweigstellen von KSB.

 So  wie Leninbüsten nach Ende  der Sowjetunion oder Hakenkreuze nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland  aus der Öffentlichkeit verschwanden, so sind in Deutschland, der Schweiz und anderswo in Europa die ehemaligen KSB-Gemeinden bemüht, die Hinweise auf die Zusammengehörigkeit mit der Mission Kwasizabantu unsichtbar werden zu lassen. „Die Kirche der Zeder“ heißen sie jetzt in Frankreich, auch wenn die Hinweise auf ihre Verwandtschaft mit Kwasizabantu im Internet zahlreich sind. Die deutsche Zentrale von KSB in Schwäbisch-Gmünd-Lindach  firmiert unter „Freie evangelische Gemeinschaft“ , die Hinweise auf KSB am Gelände sind sorgsam getilgt, die   Webseiten  sind vom Netz, aber die Spuren im Internet, die die Nähe  zu Kwasizabantu  aufzeigen, sind massenhaft. Nur in Rumänien halten sie die Fahne von Kwasizabantu offiziell hoch: Hans Koller, der sektenerfahrene Ex-Pfarrer der auch schon bei den Zeugen Jehovas Mitglied  war  und dann bei  KSB Schweiz später rausflog, hat entweder die Entwicklung verschlafen oder seinem Nennonkel Friedel den Rücken gekehrt: Kwasizabantu Rumänien ist nach wie vor im Netz als teil von Kwasizabantu.

Die Frage des Moments ist: wer trennt sich eigentlich gerade von wem – und: was heißt jetzt eigentlich Trennung?

Wie verlautet gibt es da in Berlin so etwas wie ein kleines gallisches Dorf, das den Widerstand gegen den Kurs des deutschen Sektenführers Georg Grau probt. Im KSB-Anwesen am Hohenzollerndamm trafen sich einige Berliner KSB-Gänger  und ein Trio aus Druwald mit Detlef Stegen, der mal eben aus Südafrika herübergejettet kam.  Die Gruppe will weiter Teil der „Erweckung“ sein mit Erlo Stegen als Zugpferd.  Was ihnen vorgegaukelt wurde: Erlo Stegen sei zwar nicht mehr ganz der Alte – aber dement sei er nicht. Das glauben    die Erlo-Fans  hartnäckig – so wie sie alles geglaubt haben  was man ihnen über Jahrzehnte vorgeflunkert hat von Wundern, Begebenheiten und Wiederauferstehungen.  Dabei ist es ganz einfach,  mal kurz ins Internet – und schon sieht man, wie sehr Erlo Stegen an Demenz leidet und dass er unmöglich die Führung der „Mission“ noch in seiner Hand haben kann. Beim   Sonntagsgottesdienst am  7. Januar 2018, also vor eineinhalb Jahren, ist Erlo Stegen nur noch ein Schatten seiner selbst, wiederholt sich ständig, scheint nicht zu wissen, was er gerade eben noch gesagt hat, betet ständig dasselbe Gebet – ein trauriges Bild, der Mann kann einem Leid tun. Anzusehen unter: https://livestream.com/accounts/10578297/events/8004240

Im Namen eines solch kranken Mannes, der nicht mehr Herr seiner Sinne zu sein scheint, werden in Kwasizabantu Kommandos gegeben, Geld verschoben, Sitzungen anberaumt, Menschen drangsaliert – die Unterschriften Erlo Stegens auf   dazu gehörigen Schreiben liefert der Computer. 

Und dennoch: Trotz dieser Ausfallerscheinungen wollen Menschen Erlo Stegen folgen, obwohl sie wissen müssen, dass jetzt eine Betrügerin auf der „Mission“ das Sagen hat und den ehemaligen Prediger zu ihren Zwecken missbraucht. Wie das kommt? Es ist jahrzehntelang geübte Praxis: nichts hinterfragen, nichts kritisch überdenken, nichts wissen wollen. Wer so lebt ein halbes oder ganzes Leben lang, der wird und muss betrogen werden. 

Zurück zur Frage: wer trennt sich gerade von wem….

Berliner  und ein paar Druwalder trennen sich also von den anderen KSB-Gemeinden Europas, in Lindach hat die Tochter von Andre Joosten wissen lassen, dass sie nicht mehr in die Gemeinde kommt, weil die sich wiederum  vom  Erlo-Zweig getrennt  hat. KSB Rumänien ist offenbar nur noch Erlo-Einzelgänger in Europa, wer insgesamt nun wem folgt und sich vom wem auch immer trennt – niemand hat derzeit den kompletten Durchblick. Aber: überall verlauten Durchhalteparolen als gelte es einen Krieg nicht zu verlieren.

Was heißt „Trennung“?

Otmar Voser, der Vorsitzender des Vereins Kwasizabantu Schweiz, hat die Trennung seines Vereins von Kwasizabantu sogar dem idea-Spektrum bestätigt. Weil es da finanzielle Unregelmäßigkeiten gebe – da sei auch er überrascht und bestürzt und begrüße die Untersuchung solcher Vorwürfe (das war  das erste Mal, dass jemand von KSB die Überprüfung von Vorwürfen gegen KSB begrüßt) . Man habe die Kommunikation mit Kwasizabantu eingestellt, teilte er mit.

Gut gebrüllt, Löwe, „Kommunikation eingestellt“! Das klingt nach absoluter Trennung – aber das mit der Trennung ist wieder einmal so eine Art Kwasizabantu-Lüge. Es gibt nämlich keine wirkliche Trennung. Und insofern könnten eigentlich alle friedlich miteinander weiter machen, wenn sie ein bisschen weiter denken würden.

Um zu veranschaulichen worum es geht: Wenn ein Kommunist die kommunistische Partei verlässt – dann ist er zwar nicht mehr Parteimitglied, aber immer noch ein Kommunist. Er trennt sich von der Organisation und ihren Insignien  – aber er bleibt was er ist. Er trennt sich äußerlich – innerlich nicht.   So verhält es sich mit Kwasizabantu und denen, die sich davon trennen: sie bleiben dasselbe, sie tragen nur nicht mehr die KSB-Fahne. Sie folgen aber denselben Regeln, fügen dem Evangelium die gleichen falschen Merkmale hinzu und lassen die gleichen wichtigen Merkmale weg. Sie haben das gleiche Programm, die gleichen Lieder, die gleichen Riten, nichts wird sich ändern, alles bleibt wie es ist. Eine echte Trennung ist das nicht.

Da hilft es auch nichts, wenn sich die (meisten) Europäer wegen Lydia Dube und ihrer Machenschaften von Kwasizabantu lossagen. Und das  ist das Problem:  Denn Lydia Dube ist, egal was sie treibt,  der Dreh- und Angelpunkt der „Mission Kwasizabantu“, der Kern der sogenannten „Erweckung“, ohne sie gäbe es diese „Erweckung“ nicht. Die Europäer haben Jahrzehnte lang die Geschichte der Lydia Dube mit Tod, einer Begegnung mit Jesus im Himmel und einer  Wiederauferstehung geglaubt. Lydia stand hoch im Kurs, wurde mit großem Respekt und Ehrerbietung  behandelt. Waren Erlo und Friedel Stegen für die Europäer Halbgötter, Lydia Dube war es aufgrund ihrer speziellen Story allemal.  Jetzt aber müssten sich die Ex-KSBler in der alten Welt  fragen, ob die Story ihrer Wiederauferstehung überhaupt stimmt – und  vor allem: wieviel Lydia Dube in all dem steckt, was sie bisher an „geistlicher Speise“ zu sich genommen haben. Wenn sie sich von KSB und Lydia Dube trennen, müssten sie sich fragen, in welche Richtung sie „geistlich“ künftig steuern wollen. Denn die Richtung in die Erlo Stegen und Friedel Stegen über Jahrzehnte gefahren sind, war weitgehend bestimmt von Lydia Dube und den „Mamas“.   

Dieser Tage hat ein europäischer Mitarbeiter die Mission in Südafrika nach Jahrzehnten verlassen und hat folgendes Resümee gezogen: „Sie wollten uns zu Zulus machen“. Diese Aussage macht deutlich, was die Anhänger Kwasizabantus in all den Jahren voller Begeisterung  aufgesogen haben: kulturelle Vermischung.   Dabei hätten die Europäer  wissen müssen, dass sie in KwaZulu-Natal  Erlo Stegen als den weißen Zulu bezeichnet haben. Und dass  Erlo im Verbund mit den Zulu-Mamas und Lydia Dube der weißen Klientel der Mission Kwasizabantu immer mehr Zulu-Kultur als geistliche Nahrung servierten  – und  ihnen das als „Evangelium der Erweckung“ verkauften. Die Europäer aber, die sich jetzt angeblich so entschlossen von Kwasizabantu losgesagt haben (das Zerwürfnis begann übrigens bei einem Besuch europäischer Leiter in Südafrika 2018 als man ihnen nahelegte, die  Immobilien der europäischen KSB-Gemeinden doch bitte auf Kwasizabantu zu überschreiben) , werden weiter  auf Kurs Kwasizabantu fahren. Sie bleiben bei ihren Regeln  auf den KSB-Zulu-Spuren: Frauen tragen keine Hosen, Kinder dürfen auch geschlagen werden (dabei ist man heute vorsichtiger als noch vor einigen Jahren), Ehen werden nur unter Menschen geschlossen, die sich so gut wie nicht kennen  – und so weiter. Sie haben sich getrennt – und bleiben doch Original Kwasizabantu.  Wo  „Freie evangelische Gemeinschaft“ Lindach oder Cederborg in  Holland oder    Hof Oberkirch in der Schweiz draufsteht, steckt ganz viel Lydia Dube drin.  Bei jeder Predigt ist sie dabei, bei jeder „Seelsorge“. Bei allem was sie tun: die Kultur Kwasizabantus, ein Konglomerat aus deutscher Kultur,  aus Voortrekker-Kultur  und Zulu-Kultur,  lebt in Europa fort.  Eine richtige Trennung ist das nicht.

Es hat Versuche gegeben, auf eine Änderung dieses Kurses hinzuwirken – vergeblich. Besonders die Leiter in Deutschland (wo Georg Grau nun auch noch Leiter von Druwald geworden ist nachdem Peter Töpfer und Klaus Wunderlich kurzerhand abgesetzt wurden), der Schweiz und Holland  wollen nichts von Kursänderungen wissen. In   Gemeindeversammlungen gab es vereinzelte Stimmen die dafür plädierten, das Gemeindevolk blieb jedoch stumm, also ablehnend. Alles soll so bleiben, wie es ist. 

Und doch bleibt es nicht so, und das werden sie noch merken. Denn auch ein bisschen Trennung ist Trennung und das wird sich bemerkbar machen. Es fehlt nämlich jetzt etwas und das könnte sich mit der Zeit als entscheidend für das Überleben der „Freien Evangelischen Gemeinschaft“ Lindach und der anderen Ex-KSB-gemeinden sein. Von Erweckung kann  jetzt nämlich nicht mehr die Rede sein, man sieht in KSB-Afrika, wo die „Erweckung“ gerade gelandet ist, in diversen kriminellen Affären. Das Faszinosum „Erweckung“ ist also weg, das Faszinosum Afrika ebenfalls. Kein Urlaub mehr im Busch von Natal, keine selige Gemeinschaft mehr in dem schönen Hügelland. Keine Seelsorge mehr beim Onkel aus Kwa Zulu , kein Bad mehr im Indischen Ozean, kein Besuch im Game Reserve. Denn wer sich getrennt hat von Kwasizabantu ist dort auch nicht mehr gern gesehen – und muss seinen Urlaub anderswo verbringen. Und: Keine Prediger mehr aus Afrika die von Wunderheilungen und sonstigen Highlights erzählen  – die Europäer sind jetzt auf sich selbst gestellt. Und da wird trockenes  Brot aufgetischt. Niemand ist da, der Charisma hat, niemand, der mitreißend predigen kann. Und niemand  der es schaffen wird den Widerspruch aufzulösen, warum die europäischen Gemeinden eine  Glaubenspraxis leben sollen, die in Südafrika jetzt so grandios in die Sackgasse geführt und die Mission zum Scheitern gebracht hat. 

 Die Gemeinden werden nach und nach merken, was ihnen nun alles fehlt. Es wird sich über kurz oder lang  Unzufriedenheit und Langeweile  breit machen. Die Prediger sind gefangen zwischen Zulu-Kult und Evangelium, jede Abweichung vom alten Kurs kann zu neuen Trennungen führen, eine ausbleibende  Anpassung an das Evangelium in der Auslegung  Martin Luthers aber ebenfalls.

Die Ex-KSBler in Europa   stecken in einer klassischen Zwickmühle.