Neue Vorwürfe gegen südafrikanisches Missionswerk

Evangelikale kritisieren „geistliche Tyrannei, Gehirnwäsche und Manipulation“

Marcus Mockler

K r a n s k o p (idea) – Eine Arbeitsgruppe evangelikaler Christen in Südafrika hat sich mit der dringenden Bitte an die Leitung des evangelischen Missionszentrums Kwa Sizabantu (Kranskop) gewandt, unbiblische Praktiken wie die Einschüchterung von Mitgliedern und die Trennung von Familien aufzugeben. Das Missionswerk war in den vergangenen Wochen in die Schlagzeilen geraten, weil ehemalige Schüler berichteten, wegen geringster Vergehen brutal geprügelt worden zu sein. Außerdem sollen die leitenden Brüder Erlo und Friedel Stegen während der Zeit der Apartheid die Sicherheitskräfte der weißen Regierung unterstützt und „Sündenbekenntnisse“ von Freiheitskämpfern an den Geheimdienst weitergegeben haben. In der am 23. Februar veröffentlichten Erklärung „besorgter Evangelikaler“ wird nun die Missionsleitung aufgefordert, „geistliche Tyrannei, Gehirnwäsche und Manipulation“ bei den Mitgliedern des Werkes einzustellen. Kritisiert werden sektiererische Tendenzen. So sei Eltern verboten worden, die Hochzeit ihrer
Kinder zu besuchen, weil sich diese nicht an die Verhaltensregeln der Mission hielten. Außerdem mahnen die Unterzeichner an, daß die undurchsichtigen Finanzen transparent gemacht werden. Das Missionswerk Kwa Sizabantu
hat weltweit rund 40.000 Unterstützer, darunter 1.000 in Deutschland und 600 in der Schweiz.

Unterzeichner der Erklärung sind der Theologieprofessor Koos van Rooy (Louis Trichardt), der Religionswissenschaftler Greg Damron (Muden) und der Diplomat Somerset Morkel (Pretoria). Alle drei hatten in der Vergangenheit enge Kontakte zu Kwa Sizabantu. Sie fordern die Missionsleitung auf, Buße zu tun und zu biblischen Glaubenspraktiken zurückzukehren. Auch Pastor Trevor Dahl (Muden),

Schwiegersohn von Friedel und Schwager von Erlo Stegen, stellt sich hinter die Erklärung. Er war lange Jahre Erlo Stegens rechte Hand gewesen und hat die Mission 1996 verlassen. Dahl bedauert nach eigenen Worten, daß die Leiter
von Kwa Sizabantu fortgesetzt auf „Betrug, Lügen und Rufmord“ zurückgegriffen hätten, um das Missionswerk auszubauen. Ein weiterer Schwiegersohn Friedel Stegens, Koos Greeff (Klawer), fordert inzwischen sogar die staatlichen Behörden auf, ungeklärte Vorfälle in Kwa Sizabantu zu untersuchen.

Friedel Stegen und Pressesprecher Kjell Olsen haben die Vorwürfe in einem Gespräch mit idea entschieden zurückgewiesen. Die drei Erstunterzeichner der Erklärung seien nie Mitglieder von Kwa Sizabantu gewesen. Aber auch die Kritik ehemaliger Mitglieder halten Stegen und Olsen für unberechtigt. Von vielem habe man durch Presseveröffentlichungen zum ersten Mal gehört. Die Kritiker hätten sich vorher nicht mit der Leitung in Verbindung gesetzt. Allerdings komme es in allen großen Organisationen vor, daß Menschen wegen Meinungsverschiedenheiten ausschieden und später negativ über die Organisation sprächen. Olsen betonte, körperliche Züchtigung sei an südafrikanischen Schulen in den achtziger Jahren die Regel gewesen und werde bis heute an Zulu-Schulen geübt. Aus pädagogischen Gründen habe man bereits 1994 – ein Jahr vor dem staatlichen Verbot – auf die Prügelstrafe an der Schule verzichtet. Auch den Vorwurf, Familie würden von der Mission bewußt getrennt, hält Olsen für unberechtigt. „Wir ermutigen Familien immer, zusammenzubleiben.“ Laut Friedel Stegen ist Kritik an der Missionsleitung durchaus erlaubt. Allerdings dürfe dabei nicht deren Autorität in Frage gestellt werden.

Die Presseberichte in Südafrika hält Stegen für eine Kampagne aus Unwahrheiten und Halbwahrheiten. „Wir prüfen täglich, ob in unserer Gemeinschaft Unbiblisches ist“, so Stegen. (24/2000/6)