Nichts! Keine Beweise, keine Beweise, keine Beweise

Wie erwartet: Das Gutachten der KSB-Anwälte ist ein Freispruch / Bilder vom Paradies

Wenn eine Organisation Rechtsanwälte damit beauftragt, eine Untersuchung durchzuführen, in deren Rahmen viele Personen angehört, viele Unterlagen gelesen und am Ende der mehrere Wochen dauernden Recherchen eine umfangreiche Expertise angefertigt werden sollen, dann wird diese Organisation die Rechtsanwälte für ihre Arbeit bezahlen müssen. Wochenlange Arbeit verrichtet niemand umsonst.

Wenn eine Organisation Anwälte mit einer Untersuchung und einer darauf basierenden Expertise beauftragt und diese dafür bezahlen muss, dann, so weiß man aus Politik und Industrie, aus Wirtschaft, aus Kirche und Gesellschaft, erwartet diese Organisation ein Ergebnis in ihrem Sinne. Das wissen natürlich auch die beauftragten Anwälte.

Die wegen vielfachen Vorwürfen wegen Gewalt, Missbrauch, Veruntreuung und diverser anderer Delikte in Verruf geratene Mission KwaSizabantu hat im September 2020 zwei Anwälte mit einer solchen Untersuchung samt Gutachten beauftragt. Die Juristen Khumbu Shazi und Peter le Mottee, so tönte de Mission nachdem die Flut der furchtbaren Nachrichten über sie hereingebrochen war, sollten innerhalb von zwei Wochen eine „unabhängige Kommission“ bilden, die Vorwürfe untersuchen und einen Bericht verfassen, wie es denn nun wirklich ist und war mit der „Mission des Horrors“, wie das große Nachrichtenportal News 24 die Mission KwaSizabantu in ihren Berichten immer mal nennt.

Schon bei der vollmundigen Ankündigung der kurzen Ermittlungsfrist für die Anwälte war allen Beobachtern klar: das wird nichts. Und so kam es denn auch – statt am 9. Oktober präsentierten die KSB-Advokaten das Ergebnis ihrer „Untersuchungen“ erst sechs Wochen später, am 20. November.

Lidia Dube übrigens, inzwischen längst die zentrale Figur der Skandale um die Mission, konnte bei dem großen Moment nicht dabei sein – sie, so heißt es, liegt im Wilgers Hospital in Pretoria, Kardiologische Station, Bett Nummer 4. Ihr blieb die Live-Übertragung auf youtube, wo sie das Spektakel mit gerade mal etwa hundert anderen Zuschauern in aller Welt verfolgen konnte.

Die Verteidigungsversuche der Mission gegen die zahlreichen Berichte über sexuellen, physischen, psychischen und spirituellen Missbrauch, hatten der staunenden Öffentlichkeit Tage vor dem großen Showdown bereits einen Beweis der naiven, geradezu kindlichen Weltsicht der KSB-Anhänger ermöglicht. Denn in einer konzertierten Aktion schrieben etwa 50 KSB-Follower auf der Webseite der Mission persönliche Betrachtungen über die Mission aus ihrer eigenen Sicht. Dabei entstand, wie nicht anders zu erwarten, das Bild einer Welt ohne jeden Makel, ohne Boshaftigkeit, voller Liebe und Barmherzigkeit, voll mit guten Menschen mit reinen Herzen, lebend in purer Idylle. Titel: „Wahre Erfahrungen – Persönliche Geschichten und Erfahrungen aus erster Hand bei der KwaSizabantu-Mission.“ Zahlreiche Briefe gleichen Inhalts wurden an Medien gesendet, Tenor der Betrachtungen: alles in, alles um und alles auf KwaSizabantu ist ausnahmslos gut und schön.

Dass solche Schönmalerei außerhalb der Pforten dieses KwaSizabantu-Himmels geradezu lächerlich wirkt, ist für KSB-Jünger völlig unverständlich. Dafür gibt es eine einfache Erklärung. Denn wer in diesem wolkenfreien, sonnigen Paradies lebt und sich ihm mit Haut und Haar verschrieben hat, ahnt nichts davon, wie die Welt außerhalb tatsächlich funktioniert – und was dort wie ankommt. Denn sie dürfen nicht Fernsehen, werden für das Anschauen „weltlicher“ Filme bestraft, lesen keine Zeitungen, hören kein „weltliches“ Radio, „weltliche“ Bücher sind verpönt, freundschaftliche Kontakte zu Menschen außerhalb der Sekte sind extrem selten, ein Austausch mit Menschen außerhalb der KSB-Welt findet nicht statt. Ein Gefühl dafür, was Andere denken, Erfahrungen mit anderen Ansichten, Meinungen, Sitten und Gebräuchen, das Ringen um Standpunkte und das Austragen von Konflikten sind ihnen fremd. So fremd, dass KSB-Anhänger sehr oft Schiffbruch erleiden, wenn sie die Sekte verlassen und niemand mehr für sie denkt und keiner sie lenkt. Außer den wenigen Informationen, die sie in Predigten oder mal im Gespräch hören, wissen sie so gut wie nichts. Nur dass die Welt böse ist, Abtreibung schrecklich, Unmoral überall grassiert, eine Frau mit Schlitzen in den Röcken eine Nutte ist und ihre Kritiker vom Teufel sind – das wissen sie genau. Sie verachten die Welt außerhalb ihres Elysiums und gehen in großer Selbstverständlichkeit davon aus, dass diese, wenn sie auf KwaSizabantu stößt, sich nach dessen Regeln richtet.

Dass dem aber so nicht ist und dass es aber eben nicht darum geht, wie schön manche Menschen KwaSizabantu finden und ob es welche gibt, die dort Gutes erlebt haben, sondern darum, dass die Missionsleitung dort über Jahrzehnte schlimmste Vergehen ihrer Mitarbeiter an wehrlosen Opfern ständig unter den Teppich kehrte und oft eher anders herum die Opfer noch als die Schuldigen hinstellte – das kommt KwaSizabantu-Anhängern erst gar nicht in den Sinn. Ihre Welt hat schön zu sein und was nicht sein kann, das nicht sein darf. Das ist die grundlegende Devise in der KSB-Parallel-Welt. Und so etwas kommt draußen gar nicht gut, wenn es ernst wird und um Verbrechen geht.

Schon die Versuche der Mission, sich vor der CRL-Commission gegen die Aussagen zahlreicher Opfer KwaSizabantus zu verteidigen, waren oft derart am Thema vorbei gegangen, dass Beobachter manches Mal von ungläubigem Kopfschütteln seitens der Kommissionsmitglieder berichteten. Immer wieder, wenn KSB-Bewohner statt stichhaltiger Verteidigung gegen die massiven Vorwürfe nur das Bild eines Garten Edens auf der Mission anzubieten hatten, hätten Zuhörer im Saal vielsagend mit den Augen gerollt oder resigniert durch den Saal geblickt. Aufgefallen war auch, dass in einer für die Existenz der Mission doch ziemlich entscheidenden Phase niemand aus der Führungsetage von KwaSizabantu an der Anhörung der CRL-Kommission teilnehmen wollte. Kein Erlo Stegen, keine Lidia Dube, kein Dietmar Joosten, kein Detlev Stegen, kein Dhabulani Dube – die Leitung der Mission ließ sich nicht blicken, die Verantwortlichen der Mission drückten sich vor der Verantwortung. Sie hatten keinen Plan, was da draußen in der realen Welt getan werden muss, wenn es ernst wird. So etwas, weiß man aber in der Welt, gibt automatisch Punktabzug.

Am Freitag, dem 20. November 2020, sechs Wochen später als angekündigt, wurde dann das Ergebnis der Recherchen der von KwaSizabantu bezahlten „unabhängigen Kommission“ öffentlich präsentiert.

Wer erwartet hatte, dass das „Independent Panel“ der Öffentlichkeit sein Ergebnis selbst präsentiert, hatte sich getäuscht. Ein gewisser Keith Mathee, ein schon seit längerer Zeit für KwaSizabantu tätiger Advokat, nahm das Gutachten der „unabhängigen Kommission“, setzte sich eineinhalb Stunden hinter eine Flasche Brunnenwasser der Firma aQuelle und vor eine Kamera und sendete live auf youtube, was er und seine Auftraggeber aus der Expertise heraus gelesen hatten. Seine ellenlange Rede hatte allerdings nur einen sehr kurzen Inhalt – zusammengefasst:  „Das Ergebnis der Untersuchungen: Nichts! Keine Beweise, keine Beweise, keine Beweise.“

Kurz erwähnt sei, dass ein anderer Anwalt in Diensten von KSB, ein gewisser Andrew Arnott aus Durban, der die „unabhängige Kommission“ für KwaSizabantu organisiert hatte, die Partei der KwaSizabantu-Geschädigten trickreich hinters Licht geführt hatte. Statt dass er, wie versprochen, das Abschlusspapier des „Independent Panel“ sofort nach dessen Fertigstellung auch den Opfern von KwaSizabantu zustellte , die vor der KSB-Kommission ausgesagt hatten, hielt er das Papier zurück – bis nach dessen Veröffentlichung durch dem Kollegen Matthee. Das lässt Raum für die Vermutung, dass KwaSizabantu das Papier bereits Tage zuvor erhalten und dessen Interpretationen vor dem 20. Oktober sorgsam vorbereitet hat. Arnott hatte mehrere Vertreter der Ankläger von KSB wochenlang händeringend gebeten doch vor der Kommission auszusagen, weil es so wenig Interessenten gebe, die sich bei der Kommission zu einer Aussage bereit erklärt hätten. Er hatte große Transparenz und Offenheit versprochen – heraus kam das Gegenteil. Die Abschriften der Interviews, die die „unabhängige Kommission“ mit den Opfern geführt hatten, waren diesen auch nicht wie zuvor garantiert zugesandt worden. Im Klartext: Die „Independent Panel“, die KSB-Anwälte  und die Leitung von KSB – alle tricksten die sowieso schon missbrauchten KSB-Opfer ein weiteres Mal aus und zeigten ihnen eine lange Nase.

Die Weltfremdheit von KSB zeigte sich in einer weiteren Maßnahme, die mit der versprochenen Transparenz und ernsthaften Aufarbeitung der Vorwürfe wenig zu tun hat. Statt das Gutachten des KSB-Panels an alle Medien des Landes zu geben, bekam an dem Tag seiner Veröffentlichung nur eine Medienplattform das Gutachten  zugesandt, die Times Media. Solch unprofessionelle Handlungsweise macht einem die Journalisten anderer Medien nicht unbedingt gewogener…

 

Hier auszugsweise deren Bericht von Times life am Freitag, 20.11.

„Am Freitag veröffentlichte die Kirche den Bericht über eine von ihr in Auftrag gegebene Untersuchung, die von einem, wie sie sagte, „unabhängigen Gremium“ durchgeführt wurde, das sich aus dem Rechtsbeistand Khumbu Shazi und dem Rechtsanwalt Peter le Mottee zusammensetzte.

Die Anwälte befreiten die Kirche von dem Vorwurf, es handele sich um eine Sekte, sagten jedoch, sie hätten einige Probleme gefunden, die angegangen werden müssten. Sie wiesen auch die Behauptungen von Ex-Mitgliedern über Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch zurück.

„Wir fanden keine Substanz in diesen Anschuldigungen. Die Zeugen, die mit uns über diesen Aspekt sprachen, stützten sich meist auf Hörensagen und konnten keine Primärberichte über einen bestimmten Vorfall abgeben“, heißt es im Bericht.

„Wir waren nicht in der Lage, glaubwürdige Versionen der angeblichen Opfer zu finden. Wir fanden keine glaubwürdigen Beweise dafür, dass der Mission Vergewaltigungsvorwürfe gemeldet wurden, und die Mission hat sie vertuscht“.

Und während sie zugaben, dass es ihnen an „speziallistischen Ressourcen“ mangelte, wiesen sie die Geldwäschebehauptungen zurück. „Wir konnten keine Beweise dafür finden, dass irgendwelche mit der Mission verbundenen Unternehmen in Geldwäsche verwickelt waren“, hieß es in dem Bericht.

 

Dr. Peet Botha, ein ehemaliges Mitglied und Pastor der Mission, stellte die Ergebnisse in Frage. Er sagte, die Mission habe das Untersuchungsgremium handverlesen. Botha, der von dem Gremium befragt wurde, sagte, er habe den Bericht noch nicht gesehen. Aus dem Bericht geht jedoch klar hervor, dass die Mission einen eigenen Prozess manipuliert, um ihre Unschuld zu beweisen.

„Die Mission wählte die Ermittler aus und bezahlte sie dafür, dass sie sich selbst untersuchen und einen Bericht vorlegen, der die Mission in allen Aspekten entlastet“, sagte Botha.

„Das zeigt uns, dass sie nur ein Spiel spielen und dass sie auf sich selbst acht geben. Sie legen einen positiven Bericht über ihr Finanzvermögen vor und dass Leute, die wie aQuellé und Emseni früher von ihren Unternehmen kauften, aufgrund der Entlastung durch den Bericht wieder kaufen würden. Es ist, als ob der ehemalige Präsident Jacob Zuma eine parallele Untersuchung zur Zondo-Kommission einleitet und sich seinen eigenen Richter und seine eigenen Anwälte aussucht, und diese finden nichts Falsches an ihm. Und er sagt zur Welt: ‚Seht, ich bin unschuldig‘.

Erika Bornman, eine ehemalige Schülerin an der Domino-Servitenschule der Mission und ehemaliges Mitglied der Mission, teilte die Gefühle von Botha. Bornman wurde ebenfalls von der Jury interviewt und nahm an der Dokumentation Exodus teil.

„Sie haben sich geweigert, den Bericht an uns herauszugeben, obwohl sie mir, als ich ihnen sagte, dass ich sehr zögere, mit ihnen zu sprechen, weil ich ihnen nicht traue, versicherten, dass sie das Mandat haben, ihn mir und der Öffentlichkeit zur gleichen Zeit wie der Mission herauszugeben“, sagte sie.

„Jetzt lehnen sie es einfach rundweg ab. Ich habe gegen mein besseres Urteilsvermögen mit ihnen gesprochen. Ich sagte ihnen von Anfang an, dass eine Organisation nicht selbst ermitteln kann, und ich hatte mein Vertrauen in die CRL-Kommission, die Hawks und das Arbeitsministerium gesetzt, gegen die ermittelt wird. Aber ich habe mit ihnen gesprochen, weil ich das Gefühl hatte – und ich glaube, deshalb haben andere Leute mit ihnen gesprochen -, dass wir nicht sagen können, dass es eine Schönfärberei war, wenn wir es nicht wenigstens versucht haben“.

Bornman fügte hinzu: „Es ist völlig unfair, uns in der Öffentlichkeit zu verunglimpfen, uns aber die Möglichkeit zu verweigern, das zu lesen, was sie über uns geschrieben haben. Das ist skrupellos und höchst fragwürdig und schadet uns immer wieder“.

Siehe: https://www.timeslive.co.za/news/south-africa/2020-11-21-lawyers-kwasizabantu-probe-clears-mission-of-string-of-allegations/

 

Am Sonntag, dem 22.November berichtete auch SABC News über den gesamten Vorgang. Leserbriefe auf Twitter gaben die Stimmung wieder, die die Mission KwaSizabantu durch die Schönmalerei und das Gutachten ihrer Anwälte erzeugt:

„Selbstuntersuchung. Selbstbeurteilung. Selbst beglückwünscht. Ich liebe dich. Ihr seid ehrlich in eurer Selbsttäuschung. Ihr glaubt an euch selbst.“

„Sie ernennen ein Gremium, das sie bezahlen, um sie zu untersuchen… werden Sie die Hand beißen, die Sie füttert“?

„Das muss am Sonntagnachmittag ein schlechter Witz sein“.

„Schön! Ich möchte wirklich sehen, wo ein von einer Institution ernannter Rechtsausschuss gegen diese Institution entscheidet.““

 

Was aufhorchen ließ, ist eine Bemerkung von Keith Mathee in dem Statement, das er am Freitag vor der youtube-Kamera abgab, die in dem Zeitungsbericht nicht erwähnt wird. Er äußerte sinngemäß, dass ja immerhin schon etwa drei Millionen Menschen die Fürsorge der Mission KwaSizabantus erfahren und dort Segen erlebt hätten. Und Fehler, so sagte er sinngemäß, passieren überall. Er stellte eine hohe, völlig aus der Luft gegriffene Zahl der „Gesegneten“ gegen die Zahl der Misshandelten – als wäre der Missbrauch wehrloser Opfer tatsächlich gegen irgendwas aufzurechnen. Was ist das für ein verächtliches Zahlenspiel, das sie alle da spielen – die Anwälte und die Anhänger und die Leitung von KwaSizabantu? Es geht nicht darum, ob 10, 100 oder wie viele Mädchen, Frauen, Kinder und wer noch alles vergewaltigt, geschlagen und missbraucht wurden. Die Tatsache, dass dort Vergewaltigungen geschahen und Missbrauch getrieben wurde und die Missionsleitung nichts dagegen getan hat, sie berechtig jeden Aufschrei dagegen.

Den perfiden Zahlenspielen des Herrn Matthee kann man eine andere Rechnung entgegenstellen: Nur 50 befürwortende, die Mission in den Himmel hebende Zeugnisse auf der Webseite der Mission bei angeblich drei Millionen „gesegneten“ ehemaligen KSB-Gängern? Frage: Wo sind sie, die „Gesegneten“ – und: warum wollen sie mit der „Mission“ nichts mehr zu tun haben? Wenn von so vielen „Gesegneten“ nur so wenige ihre Stimme für – aber allein schon vor der CRL -Kommission viel mehr Stimmen gegen KwaSizabantu sprechen, dann sprechen die Zahlen sehr klar gegen KwaSizabantu. Vielleicht zwei Prozent sind noch da bei KSB – aber 98 Prozent haben sich von KSB abgewandt. In Deutschland sagt man: So wird ein Schuh draus!

Am Sonntag, dem 22. November schließlich verkündete der Missionseigene Radiosender Radio Khwezi, dass die Mission von dem „Independent panel“ von allen Vorwürfen freigesprochen wurde. Alle Vorwürfe seien Lügen. Alles auf der Mission werde bald wieder normal laufen.