Persönliches Zeugnis über KSB

von LM FILLATRE

Vor kurzem wurde ich gebeten, ein Zeugnis über meine Erfahrungen mit der KwaSizabantu Mission (KSB) abzugeben. Dies folgt auf viele Fragen, die mir in Bezug auf meine Verantwortung innerhalb dieser „Erweckung“ in Südafrika gestellt wurden.

Was kann ich schreiben? Auf jeden Fall möchte ich niemanden schockieren oder verletzen. Es ist also ein absolut persönlicher Ansatz, der hier vorliegt. Was ich schreibe, betrifft nur mich. Was ich anerkenne, gilt nicht unbedingt für die anderen ehemaligen Leiter dieser Mission in Frankreich oder anderswo.

„Da wir nun so viele Zeugen des Glaubens um uns haben, lasst uns alles ablegen, was uns in dem Wettkampf behindert, den wir begonnen haben – auch die Sünde, die uns immer wieder fesseln will. Mit Ausdauer wollen wir auch noch das letzte Stück bis zum Ziel durchhalten. Dabei wollen wir nicht nach links oder rechts schauen, sondern allein auf Jesus. Er hat uns den Glauben geschenkt und wird ihn bewahren, bis wir am Ziel sind.“ Hebräer 12:1-2 (HFA).

Seit 1984 bin ich in der KSB-Mission und den aus dieser Zusammenarbeit gewachsenen Verbänden aktiv. Da ich ein Idealist bin, habe ich mich schnell auf die Vision der „Erweckung“ eingelassen. Ich wünschte mir ein heiliges, gottgeweihtes, einfaches und praktisches Leben. Dies war der Sinn meiner Adhäsion.

Dieses Abenteuer wurde im Mai 2018 geistlich beendet, weil wir dazu aufgefordert wurden, ein Dokument der totalen Unterwerfung unter die Leiter von KSB RSA zu unterschreiben. Dann hörte es 2019 rechtlich auf, durch die Trennung zwischen unserer Versammlung und diesem Werk und durch die Auflösung der Mission in Frankreich. Danach gab es eine lange Periode der inneren Reformierung in Bezug auf den Glauben, die Lehre und ihre Anwendung unter den Gläubigen. Dies ist jedoch nicht das Thema meines Schreibens.

In dieser Zeit fiel es mir sehr schwer, mich auszudrücken, meine Gedanken und Überlegungen in Worte zu fassen. Zuerst sah ich ein persönliches Versagen, dann einen Verrat seitens unserer geistlichen Leiter, und schließlich fühlte ich mich so schuldig gegenüber unseren jungen Leuten… Wie viele andere war ich deprimiert, aber ich schaute zu Jesus auf, dem Urheber meines Glaubens im Jahr 1971, als ich noch ein Kind war und am Leben einer reformierten Gemeinde teilnahm.

Zuallererst möchte ich all die Dankbarkeit bezeugen, die in meinem Herzen ist für die Fürsorge, die Gott mir in allen Umständen, in guten wie in schlechten, geschenkt hat. Es gibt Dinge, die ich erhalten habe und die als Zeichen der Liebe und Gnade Gottes bleiben werden. Ich glaube jetzt, dass all dies nicht umsonst ist. Es ist der gleiche Gedanke, der mich mit meiner Frau verbindet.

Heute, da mir die Gelegenheit gegeben wurde, möchte ich mich demütig zeigen und all jene um Vergebung bitten, die destabilisiert und verletzt wurden, insbesondere die jungen Menschen. Viele sind zu mir gekommen, um Rat und Gebet zu erhalten, viele, um ihre Sünden zu beichten. Ich glaube, dass meine Hilfe aufrichtig war, aber in ihrer Gesamtheit konnte sie nicht wirksam oder gerecht sein, weil die ganze Sache verzerrt war.

Ich bitte daher um Vergebung für das Folgende:
– In der Vergangenheit haben Brüder und Schwestern die Mission aufgrund einer Reihe von Meinungsverschiedenheiten entweder in praktischen oder lehrmäßigen Fragen verlassen. Ich habe diese Menschen als „Feinde“ von Gottes Werk betrachtet. Also habe ich mit ihnen gebrochen.
– Im Laufe der Zeit wurde manchen aktiven Teilnehmern klar, dass die Mission sektiererisch war. In der Tat, was mich betraf, wurde ich von einem sehr schönen Schein des Lebens und der Frömmigkeit verführt, und ich war geblendet.
– Da wir uns in einer „Erweckung“ befanden, vernachlässigte ich es, den Inhalt der Lehren ernsthaft zu prüfen, und so nahm ich unbiblische Lehren an.
– Die meiste Zeit wurden Entscheidungen in einem kleinen Ausschuss oder in Abhängigkeit von der südafrikanischen Missionsleitung getroffen. Ich folgte dieser pyramidalen Sichtweise der Mission und ließ damit die Mitglieder der Vereine und Versammlungen außer Acht. Das ist die gleiche Beobachtung, die ich in Bezug auf meine Ortsgemeinde mache. Ich entschied mich, die Kirche folgte aus zu grossem Vertrauen.
– Ich war oft zu lang in meinen Predigten. Obwohl ich im Allgemeinen bibeltreu blieb, wurde ich, wann immer ich über Sünde sprach, hart in meinen Worten.
– Ich habe das Vorgehen der Mission bei Hochzeiten akzeptiert, und ich weiß, dass viele junge Menschen durch diese Methode in ihrem Glauben und in ihrer Ehe verletzt. Ich werde nicht ins Detail gehen, aber diejenigen, die es erlebt haben, wissen, wovon ich spreche.
– Ich war ein Legalist in Bezug auf die Kleidung, was aus möglichen okkulten Ursprüngen kam, die Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen auf lokaler Ebene, das Heilige Abendmahl, etc. Legalistisch nicht durch das, was ich dachte, sondern indem ich einen gewissen Druck auf die Gemeindemitglieder ausübte .
– Ich habe die „Männer und Frauen der Erweckung“ über die anderen gestellt. Ich habe ihrem Wort oft geglaubt, als wäre es eine Prophezeiung des Herrn.
– Öffentliche und administrative Verpflichtungen (Generalversammlung, Verwaltungsrat und andere) fand ich nicht wichtig.
– Manchmal wurden ungerechte Entscheidungen gegen bestimmte Leute getroffen, und ich habe selten Stellung bezogen.
– In der Mission war die Frau das Objekt eines Paradoxons: Manchmal wurde sie als über allem stehend betrachtet (die Frauen, die das Sagen hatten) und oft wurde sie verachtet (ohne besonderen Status, nur dazu da, den Machismus einiger Männer zu befriedigen). Ich habe zu diesem Thema nie Stellung bezogen und mich damit begnügt, in meinem familiären Umfeld glücklich zu sein.
– Ich habe die Mission nie um einen Bericht über ihre Finanzen, Projekte und Ziele gebeten.
– Ich war oft zufrieden, die „Erweckung“ zu haben, während andere Evangelikale, für mich, dies nicht hatten (das Kriterium ist das Bekenntnis der Sünden vor einem Zeugen).
– Tatsächlich, und das ist der letzte Punkt, der alle anderen umfasst, habe ich meine erste Liebe zu meinem Herrn Jesus aufgegeben, weil ich die „Erweckung“ vergöttert habe, dann Menschen, KSB und schließlich mich selbst!

Bei all dem geht es nicht um mich und auch nicht um all jene, die dieses geistige und/oder psychische Gefängnis erlebt haben, sondern um Jesus Christus, der auf Golgatha den Preis für die Erlösung eines jeden bezahlt hat.

Aber ich bestätige hier, dass die Situation nicht hoffnungslos ist. Warum ist sie nicht hoffnungslos?
– Jesus ist siegreich!
– Seine Güte treibt jeden Menschen, der auf ihn hofft, zur Umkehr.
– Jesus ist der Urheber unseres Glaubens und wird ihn zur Vollendung bringen.
– Jesus ist für uns Heilung, er ist unsere Sonne der Gerechtigkeit. Er wird es verstehen, uns von all unserer Vergangenheit zu befreien, von all unseren Fehlern, von all unserer Schuld, von all unserer Bitterkeit und von all unseren Verletzungen, seien sie geistig und/oder psychologisch. Die Gemeinde Jesu Christi ist immer da mit der Lehre Jesu und der Apostel, der Gemeinschaft, dem Brechen des Brotes und dem Gebet.

Ich danke Ihnen allen für Ihr Verständnis,
Louis-Michel Fillatre, Dezember 2020.