Die Menschen wurden psychisch fertig gemacht

Ein Gespräch mit Helga Koller / „Ja, es ist eine Sekte“

Helga Koller, die Frau des langjährigen Leiters von Kwasizabantu Schweiz, hat die Mission KSB im Jahr 2002 verlassen. Nachfolgend ein Gespräch mit Frau Koller, das eindringlich beschreibt, was sich hinter Kwasizabantu tatsächlich verbirgt. Frau Koller hat sich inzwischen auch von ihrem Mann scheiden lassen.

Frage: Helga, Du hast die Gruppe Kwasizabantu nach vielen Jahren Zugehörigkeit verlassen. Wie lange warst Du dort und warum bist Du gegangen?

Helga Koller: Ja, auch wenn es unglaublich scheint, war ich sechszehneinhalb Jahre bei KSB. Gegangen bin ich erstens aus familiären Gründen und zweitens konnte ich persönlich nicht mehr sehen und verantworten, was in Kwasizabantu alles unter dem Namen Gottes an Missbrauch getrieben wurde.

Frage: Was konkret wurde denn in Gottes Namen gemacht, was Dich jetzt so abstößt? Kannst Du Beispiele nennen?

Helga Koller: Es war Weihnachten 1997. Freizeit. Die Schweizer Mitarbeiter mit Frauen und Lehrern wurden bei uns im Wohnzimmer zusammen gerufen. Friedel Stegen, Bruder des Missionsgründers Erlo Stegen, und mein Mann leiteten die Zusammenkunft. Das war der Tag, an dem ich merkte das Kwasizabantu eine Sekte ist. Das war der Tag , an dem mir die Augen aufgingen. Ich war natürlich auch in dieser Versammlung. Frisch und fröhlich saß ich in der Runde. Da platzte die Bombe. Einer nach dem anderen, Mann wie Frau, standen auf und berichteten über mich, wo ich mich sündhaft verhalten haben soll. Ich saß dort wie erschlagen. Ich sah mir die Menschen an die da redeten, und was sie redeten war bitter und hart. Ich sei zu impulsiv und ich würde die Wahrheit zu direkt sagen, hieß es da. Sie nannten das Afterreden. Es traf mich wie der Blitz. 

Es tut mir leid zu sagen was ich jetzt sage, aber es ist die Wahrheit. Ich erinnerte mich, dass mein Mann, (Hans Koller, d. Red.) mir nach seinem ersten Südafrika Besuch auf KSB 1986 erzählte, was ihn dort am meisten beeindruckt . Nämlich wie sie zwei Mitarbeiterinnen gerichtet hatten und wie sich die eine bedingungslos gebeugt hatte und die andere nicht. Er empfand, das sei so schön gewesen, wie in der Urgemeinde. Von da an wurde mein Mann mein größter Feind. Was er da mit Friedel Stegen bot, war bodenlos. 

Vor den Leuten entschuldigte ich mich kurz. Nachher gab es ein Gespräch mit meinem Mann, Friedel Stegen und mir im Schlafzimmer, weil ich nichts zu beichten hatte. Dort brüllten sie mich an und es ging einen ganzen Tag lang. Für mich ging eine Welt unter. Ich dachte oft, so muss es beim KGB, dem russischen Geheimdienst gewesen sein. Es gab Momente, da saß ich ganz benommen da und realisierte gar nicht mehr was geredet wurde. Mit der Bibel und mit Gott hatte das nichts mehr zu tun, das war mir klar. Keiner von denen ist vorher einmal zu mir gekommen und hatte gesagt, dass ich an ihm gesündigt hatte. 

Am anderen Tag – für mich war es die Bestätigung dafür, dass Menschen in der Gruppe Kwasizabantu manipuliert werden. Also am anderen Tag kamen drei Männer und drei Frauen, unabhängig von einander zu mir, und entschuldigten sich bei mir, was sie mir angetan hätten. Sie seien gezwungen worden, einige von Friedel Stegen, andere von meinem Mann, diese Aussagen gegen mich zu machen. Ein älterer Mann unter ihnen weinte bitterlich und sagte, er hätte danach Angst gehabt, dass ich mir in der Nacht darauf das Leben nehme, wegen dem was mir angetan wurde. Er sei gezwungen worden, gegen mich auszusagen. Er war froh das mit mir in Ordnung bringen zu können. Er kam sich vor, wie die Jünger, als sie Jesus verraten hatten. Ich ging mit dieser Erfahrung zu Erlo Stegen weil es mich sehr bedrückte. Er hörte sich alles an – hat aber nie etwas unternommen. 

Frage: Schildere uns doch in kurzen Worten, wie sich Dein Ausstieg aus KSB vollzogen hat.

Helga Koller: Mein Weggang von Kaltbrunn (Hauptsitz KSB Schweiz) hat mir persönlich noch deutlicher gezeigt, dass KSB eine Sekte ist. Meine Eltern haben die  schlimme und grausame Wahrheit selbst erlebt. Es war so: Ich bin am 21. April 2002 mit meinen drei Töchtern mit ein paar Taschen (unseren Kleidern) weggegangen. Meine älteste Tochter mit ihrem Freund kamen uns holen. Mein Sohn blieb bei meinem Mann. Daraufhin kamen am folgenden Tag meine Eltern aus Deutschland, um uns zu helfen. Meine Mutter zusammen mit den zwei großen Töchtern fuhren dann nach Kaltbrunn, um die restlichen Sachen zu holen die ich nicht mitgenommen hatte. Was sie dort erlebten, könnte dieses Blatt nicht fassen – das hatte alles, aber mit Gott nichts zu tun. Meine Internatsbuben (ich war Leiterin des Bubeninternats der DSS Schweiz) wollten meiner Mutter helfen – aber es wurde ihnen verboten und sie wurden in ihre Zimmer geschickt und durften diese nicht verlassen. Es war wirklich wie im Film… 

Frage: Jeder, der so lange dieser Gruppe angehört hat, war ja mal ihr überzeugter Anhänger. Was hat Dich merken lassen, dass in KSB etwas nicht stimmt?

Helga Koller: Ich merkte, dass es ihnen nicht mehr um Gott ging, um den Menschen, sondern sie selber wollten Gott sein. Man hatte nur dann Wert in ihren Augen, wenn man das tat, was sie wollten und wie sie es für richtig hielten. Die Menschen die nicht in ihr Schema passten oder einmal etwas anderes sahen wie sie, wurden psychisch fertig gemacht. 

Frage: Wie, fertiggemacht, wie sah so etwas aus?

Helga Koller: Ein Beispiel. Wir hatten aus Deutschland einen Lehrer in der DSS-Schule Schweiz. Ihm wurde so viel versprochen, so dass er von Deutschland in die Schweiz wechselte. Das war zwar nicht legal, aber er lebte sich schnell bei uns ein und war glücklich. Weil er einen eigenen Stil hatte sich anzuziehen (obwohl ihm schon oft gesagt wurde, er dürfe draußen nicht so herumlaufen), fiel er den Nachbarn auf und sie machten eine Anzeige bei der Polizei. Er wurde zu leitenden KSB-Männern gerufen, und ihm wurde gesagt, er müsse sofort die Schweiz verlassen und könne nach Deutschland oder Rumänien gehen. Er solle beten, ob es nicht Gottes Wille ist, Kinder von einer Schweizer Familie in Rumänien zu unterrichten. Was sollte er noch beten, sie hatten ja schon entschieden, was sie mit ihm machen wollten. Also ging er nach Rumänien. Im Gottesdienst wurde groß verkündet, er habe den Ruf von Gott, dorthin zu gehen. Ich glaube nach ca. zwei Jahren waren die Eltern nicht mehr zufrieden (auf ihren Willen hin musste er über Nacht als Lehrer nach Rumänien und nun brauchten sie ihn nicht mehr). Nun wurde ihm gesagt, er würde nicht mehr gebraucht, könne aber als Lehrer wieder nach Deutschland oder dort als Lagerist arbeiten. Nun war er am Boden zerstört. Inzwischen war er Lagerarbeiter, hat in Deutschland in der Schule eine Zeit geholfen und ist dann, wie ich hörte, eine Zeit nach Frankreich abgeschoben wurden,  in die Schule von KSB – Le Cédre, und nun wieder in der Schule in Deutschland. Sie schieben die Menschen hin und her, wie sie wollen und wie es ihnen passt, ohne Rücksicht zu nehmen, wie sie ihre Seele verletzen.Un das alles im Gottes Namen.

Frage : Du hast gemerkt, dass vieles nicht stimmt  und hast doch weiter mitgespielt. Warum?

Helga Koller: Weil ich am Anfang hoffte, dass Gott doch eingreifen wird, bis ich es endlich begriffen hatte, dass ich selber einen Schritt tun muss – wobei mir klar war, wenn ich den Schritt tue, dann ist es ein endgültiger.

Frage: Als was würdest Du KSB bezeichnen – als Sekte oder als was sonst?

Helga Koller: Ja es ist eine Sekte – so leid es mir tut. Das Gefährliche und Verführerische an KSB ist, dass sie unter dem Deckmantel Mission arbeiten. Mit dem Motto „alles für den HERRN, in Wahrheit aber für die Leitung KSB. Unter Mission verstehe ich etwas anderes…

Frage: Was macht KSB zu einer Sekte, welche Handlungen, welche Führungsprinzipien, welche Eigenschaften?

Helga Koller: Wenn man von KSB weggeht, wird man für sie ein Feind. Sie reden nicht mehr mit dir. Obwohl sie gestern noch gute Freunde waren, kennen sie dich heute nicht mehr. Sie interessiert es auch gar nicht, warum man weg ist, was der Beweggrund war und wie es einem geht, und wie es um deine Seele bestellt ist. Auch wenn man nachher in eine andere Freikirche geht, ist man für sie verdammt und verloren. Das Wort Gnade kennen sie nicht. Sie haben kein brüderliches Verhältnis mit den anderen Freikirchen. Sie laden zwar zu ihren Konferenzen Redner aus anderen Kirchen und Freikirchen ein. Aber später wenn sie unter sich sind, machen sie sich lustig über die Leute aus anderen Freikirchen. 

Kein einziger KSB-Leiter hier in Europa darf irgend etwas entscheiden oder unternehmen ohne zuvor in Südafrika nachgefragt zu haben. Gesetze machen sie den Menschen so viele, dass sie ein Durcheinander in ihrem Kopf erzeugen. Gelegentlich machen sich die KSB-Leute auch lächerlich durch die ihnen anerzogene Art. Kleines Beispiel: Kürzlich hat eine Freundin von mir von jemanden aus Kaltbrunn Besuch gehabt. Sie wollte dieser ein Mineralwasser anbieten und fragte, ob sie es mit Kohlesäure oder ohne Kohlensäure will. Darauf bekam sie die Antwort: „So wie der Herr es will.“ – Die Leute sind einfach durcheinander und können einfach nicht mehr normal, natürlich sein.

Frage : Hast Du mit jemand in KSB über Deine kritischen Beobachtungen reden können?

Helga Koller: Ja, ich hatte zwei Menschen mit denen ich darüber reden konnte. Sonst hätte ich den Druck und das ganze drum und dran gar nicht ausgehalten… Wenn ich nur dran denke was für einen Druck meine Kinder die letzten Monate ausgesetzt waren, sogar auch die Kleine die damals siebenjährig war… Wir wären alle in der Irrenanstalt gelandet. Durch die Belastung hatten sich bei mir sehr starke Herzprobleme eingestellt.

Frage: Was hat Deine Kinder so unter Druck gebracht, was hat man konkret mit ihnen angestellt?

Helga Koller: Da unsere älteste Tochter im November 2001 uns und die Mission verlassen hatte, durften unsere anderen Kinder zuerst nicht mehr im Euro-Chor mitsingen. Die Zweit- und Drittälteste mussten ständig zu Friedel Stegen. Die Zweitälteste wurde terrorisiert, ich kann es nicht anders nennen. Sie wurde gefragt, warum sie Brautkleider sammelt und was der Hintergedanke dabei ist. Bei einem Schulausflug nach England, schickte sie einem der Lehrer eine Postkarte, die war ganz schwarz und es stand drauf: „London by night“. Sie als Kind fand diese Karte einfach lustig, doch die Frau des Lehrers lief zu Friedel Stegen, mit der Andeutung, das Mädchen hätte etwas mit ihrem Mann. Es wurde anschließend lange psychisch terrorisiert. Immer wenn es Friedel Stegen antwortete war er nicht zufrieden. Er wollte etwas anderes hören. Er schickte das Mädchen immer wieder weg und sagte: „Denk noch einmal darüber nach und komm morgen wieder“. Das Mädchen war am Boden zerstört und weinte nur noch und fragte mich was, was es ihm sagen soll. Ich erhoffte von meinem Mann Verständnis – doch der steckte mit Friedel Stegen unter einer Decke. Da versuchte das Kind mit dem Vater zu reden, doch der warf sie aus dem Zimmer mit dem Hinweis „Wenn Friedel Stegen das sagt, dann ist das so“. Das Mädel ging wie eine Irre umher, sie wusste selber nicht mehr ein noch aus und hatte Angst vor dem nächsten Tag, was kommen wird. Schließlich brachten sie sie so weit, dass sie mir sagte, sie wolle Sachen zugeben die nicht stimmen, nur damit sie ihren Frieden bekommt. Was sie dann auch tat. Unter anderem musste sie auch zugeben, dass sie ihren Lehrer liebt… Ich könnte noch ganz viele solche Beispiele aufzählen.

Frage: Du bist die Frau des ehemaligen Leiters von Kwasizabantu Schweiz, Hans Koller, gewesen. Du hast die Scheidung eingereicht. Ihr seid jetzt geschieden Hast Du mit Deinem Mann nie offen über Deine Probleme mit KSB reden können?

Helga Koller: Ich habe ein paar mal probiert, mit meinem Mann über die Probleme zu reden – aber er meldete alles an Friedel Stegen weiter. Von daher verlor ich mein ganzes Vertrauen in ihn, denn jedes Mal musste ich „vor die Brüder“, also vor ein Tribunal. Was dann dort geschah, war Psychoterror pur… Sie diktierten mir, was zu reden und was zu machen im Beisein von meinem Mann. Es war für mich sehr schmerzlich zu erleben, was KSB aus meiner Ehe gemacht hat. Und das sieht grundsätzlich bei allen Ehepaaren so aus , die bei KSB sind: Frau sagt gegen Mann aus und Mann gegen Frau. Jeder verrät jeden. Dies erfolgt vorwiegend in der Seelsorge! Ich glaube nicht, dass Gott deswegen die Ehe geschaffen hat.

Frage: Das hieße, die KSB-Leiter haben durch die „Seelsorge“ absolut genaue Kenntnis über die Beziehungen und die Vorkommnisse in Ehen und Familien und sie geben dann Verhaltenskommandos. Heißt das, dass Erlo und Friedel Stegen und ihre Helfer das Leben der Familien dirigieren, also manipulieren? 

Helga Koller: Ja, ganz klar. Beispiel: 1995, als wir nach Kaltbrunn zogen, hatte ich eine heftige Auseinandersetzung mit meinem Mann. Ich sehe es noch, als wäre es heute. Nachdem er kein Verständnis und überhaupt keine Einsicht für mich hatte, sagte ich ihm, ich könne so nicht mehr mitmachen und wolle die Mission mit den Kindern verlassen. Er ging natürlich zu Friedel Stegen und sagte ihm alles. Ich wurde gerufen. Was passierte? Ich wurde angeschrien, von Friedel Stegen und meinem Mann, und mir wurde gesagt: ich könne sofort gehen  – aber ohne meine Kinder. Die kämen nach Südafrika. Friedel Stegen sagte zu meinem Mann: „Wenn das meine Frau wäre, die würde ich rausschmeißen und die müsste auf allen Vieren vor mir kriechen und um Vergebung bitten“. 

In diesem Moment gingen ein paar Sachen durch meinen Kopf. Eigentlich wollte ich meinem Mann ja helfen – aber er verkaufte mich. Ohne meine Kinder konnte ich nicht leben – also blieb mir nichts anderes übrig, als mich zu entschuldigen, zu demütigen und abzuwarten. Ich wurde dann noch bestraft, dass ich das gemacht hatte und durfte einige Arbeiten eine Zeit lang nicht mehr machen. Natürlich wurde mir auch gesagt, wenn ich das Zimmer verlasse, wehe mir, wenn ich nicht strahle und ich jemandem erzähle, wie sie mit mir umgegangen waren – (sind das Seelsorger? Wird so für die Seele eines Menschen gesorgt?) – also meine Seele wurde krank. Von diesem Tage an hatte ich Angst. Angst vor meinem Mann, weil ich wusste, er will nicht mein Bestes, Angst vor den Menschen, Angst vor Friedel Stegen. So macht Friedel Stegen und die ganze Bande es mit den meisten Ehen. So beeinflussen sie die Männer und Frauen – mit Angst, Druck… So haben sie alles unter Kontrolle.

Frage: Sie haben schließlich 2002 Deinen Mann als Leiter von Kwasizabantu Schweiz entmachtet und gefeuert. ? Warum? 

Helga Koller: Was ich denke: 1. Ein Leiter mit so einer Familie – Frau mit Töchtern weggelaufen – das passt nicht in das Bild von KSB. (Da erinnere ich mich gerade: In unserem Schlafzimmer hatten wir unser Hochzeitsfoto hängen. Damals hatte mein Mann ziemlich lange Haare. Wegen dem hat Friedel Stegen so lange bei meinem Mann darauf bestanden das Foto wegzuwerfen, bis ich es tun musste. Man musste immer anders sein als man war – man muss immer so sein wie sie es wollen, abweichende Vorstellung werden nicht toleriert.

2. Friedel Stegen verlangte von meinem Mann, er solle vor der Gemeinde Sachen über mich erzählen – ich nehme an lauter Lügen, oder Halbwahrheiten die Friedel Stegen erfunden hat um den Leuten klar zu machen, wie schlecht und sündhaft ich bin. Sie sind einfach skrupellos.

Frage: Hast Du mit den KSB-Führern Erlo oder Friedel Stegen über Deine Bedenken und über KSB-Praktiken reden können?

Helga Koller: Ja, mit Erlo Stegen habe ich ganz oft wegen den Problemen mit meinem Mann und Friedel Stegen gesprochen. Habe ihn oft um Hilfe gebeten, weil ich sah, dass es mit meinem Mann immer mehr bergab ging – Stegen hat das nicht groß beachtet. Er sagte dann öfters zu mir: „Bleib bei ihm, tu es für Gott, tu es für das Werk, tu es für mich. Wenn du weggehst, was sagen dann unsere Feinde“ – da merkte ich, er nahm mich und meine Situation gar nicht ernst. Was aber noch schlimmer für mich war, war, dass mein Mann mir Sachen vorhielt, die ich Erlo Stegen im Vertrauen gesagt hatte. Also merkte ich, dass Erlo Stegen meinem Mann Sachen von mir weitererzählt hat. Genauso ging das immer mit Friedel Stegen.

Frage: Das heißt, Erlo Stegen ist nicht an dem Menschen als Individuum interessiert sondern er nutzt ihn vor allem für seine eigenen Zwecke aus? Und auch er manipuliert in die Ehen hinein, damit die Menschen sich so verhalten, dass das Bild seiner Arbeit glänzt – egal, wie es den Menschen dabei geht und egal, ob das im  Einklang mit Jesu Willen steht?

Helga Koller: Ja, es ist leider so. Meine älteste Tochter lernte im Mai 2001 einen Burschen aus der Welt kennen. Dessen bester Freund hatte ein Jahr zuvor zum Glauben gefunden. Aber er selber konnte sich noch nicht ganz entschließen. Nachdem sie sich kennen lernten, wollte er mehr über Gott wissen und ein neues Leben anfangen. Er besuchte regelmäßig die Gottesdienste von KSB. Er wusste nicht um das Ritual, wie man bei KSB heiratet (geheiratet wird nur innerhalb KSB, auf Initiative des Mannes und unter Vermittlung durch den Seelsorger). So ging er auf meinen Mann zu und erörterte ihm, dass er unsere Tochter liebe. Der rannte natürlich zu Friedel Stegen und unsere Tochter musste dazu Stellung nehmen. Ich musste natürlich auch hin. Was ich da hören und sehen musste übersteigt alle Vorstellungen. Mein Mann und Frieden Stegen benutzten Wörter, dass mir der Verstand stehen blieb. Sie richteten und urteilten über eine Menschenseele (über den jungen Mann), die sie überhaupt nicht kannten. Sie waren auch überhaupt nicht interessiert . ihn kennen zu lernen. Für sie stand fest – einen solchen Menschen darf unsere Tochter nie heiraten. Von dieser Stunde an wurde meine Tochter vieler Ämter in der Gemeinde enthoben und es folgt ein Psychoterror nach dem anderen. Der Junge war ganz sprachlos und wusste nicht, warum ihn sogenannte Gottesmänner so behandelten. Er besuchte bis Mitte Oktober 2001 die Gottesdienste. Er fasste noch einmal den Mut und rief Erlo Stegen an. Nun versuchte er, das Heiratsprocedere nach der Weise von KSB zu machen.

Bis zu dem Zeitpunkt dachte ich, dass Erlo Stegen ein Gottesmann ist und nicht so wie sein Bruder Friedel Stegen. Ich dachte, er werde ihm sicher helfen. Der Junge bat über Erlo Stegen um die Hand unserer Tochter. Als unsere Tochter ein klares Ja dazu hatte, sagte Erlo ihr, er würde es dem Jungen mitteilen – meinem Mann solle sie es persönlich sagen. Dem Jungen sagte er dasselbe. Und jetzt geschah das, was ich von Erlo Stegen nie gedacht hätte. Er rief meinen Mann zu sich und gab ihm genaue Anweisung, was er unserer Tochter und dem Jungen zu sagen hätte: Das er den Segen nicht gibt und dass diese Heirat nie statt findet. So machte er es, und wie man inzwischen ja weiß, macht er es immer so in solchen Fällen: Damit er nicht als der Böse dasteht, manipulierte er meinen Mann.

Es passte eben nicht in das Bild von KSB, das unsere Tochter, die Tochter eines KSB-Leiters, einen ehemaligen Alkoholiker , also einen in ihren Augen herunter gekommenen Burschen heiratet. Kurz darauf rief Erlo Stegen einen Burschen aus Deutschland an, der auch einmal um die Hand unserer Tochter angehalten hatte. Ihm erging es genauso wie dem anderen Burschen. Er bekam Hausverbot – aber der wusste auch nicht, was er falsch gemacht hatte. Weil dieser aber zu KSB gehörte, dachte Erlo Stegen wahrscheinlich, dass er besser geeignet wäre für unsere Tochter. Also rief Erlo Stegen diesen Deutschen an und fragte, ob er noch Interesse an unserer Tochter hätte. Als dieser Nein sagte, meinte Erlo Stegen, er solle nicht so voreilig sein und noch einmal darüber beten. – Nachdem unsere Tochter all das erfahren hatte, packte sie ihre Sachen. Sie hatte genug von alle dem und wollte nicht verheiratet werden so wie viele andere Paare in KSB. 

Frage: Wer aus KSB aussteigt, wird als Feind gebrandmarkt. Wie ist KSB damit umgegangen, dass ab 1999 zahlreiche Anhänger KSB den Rücken gekehrt haben? Was wurde über sie erzählt, wurden Verhaltensregeln diktiert, wie man mit ihnen umgehen sollte, – oder hat irgendjemand in der KSB-Führung auch mal in Erwägung gezogen, kritisch über KSB nachzudenken und das auch mal laut zu äußern? Wie gehen die mit Kritik um? Und wie werden Sie Deiner Einschätzung nach mit Deinen Veröffentlichungen umgehen? 

Helga Koller: Ich erinnere mich noch gut, als Barney Mabaso in Südafrika mit seiner ganzen Gemeinde wegging von KSB. Kurz nachher hatte ihn eine alte Frau (nicht KSB-Mitglied), die in Miete in einem Gebäude von Hof Oberkirch, Kaltbrunn (einem von den zwei Schweizer KSB-Immobilien ) wohnt, eingeladen. Mein Mann musste dann, von Friedel Stegen beauftragt, zu dieser Frau gehen und sagen, dass sie Herrn Mabaso nicht in ihrer Wohnung empfangen darf – er dürfe das Gelände nicht betreten. Daraufhin musste diese Frau auswärts etwas mieten, um mit der Familie Mabaso zusammen sein zu können. Man stelle sich das einmal vor, es wird einem bei KSB vorgeschrieben, wen man in seiner eigenen Wohnung empfangen darf. 

Nun hat der Spieß sich gedreht. Sie haben meinem Mann schriftlich mitgeteilt, dass er das Gelände Hof Oberkirch nicht mehr betreten darf (das hat mein Mann mir selber erzählt). Und wer erteilt den Befehl – Friedel Stegen. 

Mich erinnert das alles an den Kommunismus. Ich bin ja im Kommunismus aufgewachsen. Die Gewalt, die Methoden, der Unterschied zwischen Leiter und normalem Menschen, die Gehirnwäsche, die Macht und viele Merkmale der kommunistischen Diktatur fand ich in KSB wieder. Kritik verträgt KSB nicht. KSB ist „fehlerlos“. Und sollte einmal jemand Kritik üben, wird er mundtot gemacht.

Ich kann es mir genau vorstellen wie die Reaktion auf meine Veröffentlichung sein wird. Die Gemeinde wird zusammen gerufen, dann werden Abschnitte herausgepickt und so vorgelesen wie es ihnen passt, um der Gemeinde klar zu machen, was mit einem Menschen passiert, über denen der böse Geist gekommen ist. Aber sollen sie nur – ich kann mit gutem Gewissen sagen, es ist alles wahr. Sie haben keine Macht mehr über mich.

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen: ich geh von Kaltbrunn weg. Wenn sie mich und meine Kinder in Ruhe lassen, werde ich nichts erzählen von all dem was ich da mitgemacht habe. Aber sie sind zu weit gegangen, sie haben mich in Schmutz und Dreck gezogen, haben Lügen und Verleumdungen über mich verbreitet. In Kaltbrunn haben sie sogar ein „Theater“ über mich gespielt. Friedel Stegen hat bei einer meiner besten Freundinnen (ich dachte es wenigsten so) so lange Gehirnwäsche gemacht, bis sie Sachen so erzählt hat, wie er es wollte – er hat sie benutzt, um mich vor den Leuten schlecht zu machen. Er wusste ja, dass mich doch viele einfach als Mensch schätzten. Gerade diese Freundin hat sehr vieles selber mitbekommen und miterlebt, was mit mir und meinen Kinder getrieben wurde.

Frage: Ist KSB Schweiz demokratisch organisiert? Also, hält man sich im Innern an demokratische Grundregeln ? Meinungsfreiheit, Redefreiheit etc?

Helga Koller: Nein, auf keinen Fall! Wer einmal wagt seine Meinung zu äußern, wird mundtot gemacht, und je nachdem wie und was man geäußert hat, ist man „gestempelt“.

Frage: Wer hat all die Jahre das Sagen in KSB Schweiz – gewählte Mitglieder oder Erlo und Friedel Stegen? Beschreibe doch einmal den Machtapparat von KSB.

Helga Koller: In KSB-CH hat Friedel Stegen das Sagen – nicht die Schweizer. Als Leiter wurde auch mein Mann wie im Kommunismus nur als Schachfigur gehalten. Er musste tun und sagen was Friedel Stegen und Erlo Stegen wollten. Natürlich wurde immer streng gesagt, dass man nicht ihre Namen nennen darf – niemand durfte die Führungsstrategien durchschauen. Da haben sie großen Wert drauf gelegt. Nach meiner Meinung ist der Apparat KSB so: Erlo Stegen, dann, Friedel Stegen. Für Europa war jetzt seit ’95 – 96 der Verbindungsmann Hans Koller. Er tat alles, was Friedel oder Erlo Stegen ihm diktierten. Oft sprach ich deswegen mit ihm – aber, wie gesagt, er rapportierte das weiter – dann kam ich dran. Meinem Mann waren dann die fünf Prediger aus der Schweiz unterstellt. Die machten dann, was mein Mann ihnen  sagte – und so weiter..

Frage: Nach welchen Kriterien wird das „Führungspersonal“ von KSB ausgewählt – nach fachlicher Qualifikation oder wonach?

Helga Koller: Das „Führungspersonal“ wird nach Loyalität ausgesucht – und nach Familie – also er muss etwas zum Präsentieren haben. Ob eine Person nach Auffassung KSB loyal ist, wird in erster Linie auf Grund der Auswertung der seelsorgerlichen Gespräche bestimmt. Generell spielt die intensiv praktizierte Seelsorge eine zentrale Rolle zur Überwachung und Kontrolle ihrer Mitglieder. Ich weiß noch gut, da war ein Prediger (ein ausgebildeter Prediger) –  aber weil seine Kinder ein bisschen lebhaft waren, wurde er ermahnt und er musste mit Familie über Nacht vom „Hof“ wegziehen. Natürlich wurde ihm Honig um den Bart geschmiert, welches die Gründe wären – aber ich weiß sie: es waren seine Kinder! Das ist auch ein Beispiel, dass es keine richtige Mission ist und auch kein Ort „wo Menschen geholfen wird“ (so der Name Kwasizabantu auf deutsch) – alles nur um Menschen irrezuführen – ein Deckmantel. Ich habe es leider zu spät erkannt. Jetzt musste ich meinen Preis dafür zahlen. Die Ehe kaputt und alle Kinder in alle Himmelsrichtungen zerstreut und bis heute hin und her gerissen. Und bis heute können sie nicht real sehen, was gut und schlecht ist. Aber das ist eine Frucht von KSB. Sie diktieren dem Menschen alles, schreiben vor, was und wie es zu machen ist, was man darf, mit wem, wohin einfach alles – sie spielen Gott. 

Frage: KSB hat in den letzten Jahren immer mehr Immobilien gekauft und sogenannte Zentren eingerichtet : in der Schweiz, Holland, Deutschland, Rumänien und Frankreich. Worum geht es eigentlich bei KSB ganz zentral: Um das Evangelium Jesu Christi , um die Macht einiger Weniger über labile Menschen oder um Besitz? Oder geht es auch um viel Geld? 

Helga Koller: In den letzten Jahren ist mir manches aufgefallen, so dass ich mir immer öfter die Frage stellte, geht es den Predigern wirklich um das Evangelium Jesu Christi und um die Seelen der Menschen, die sie betreuen? Diese Menschen wurden mit der Zeit abhängig, fast unmündig, konnten und durften nicht mehr für sich entscheiden. Die Prediger bekamen Macht über die Menschen. Und mich persönlich dünkt es, dass sie das missbraucht haben und auch heute immer noch tun. In der Bibel lesen wir viele Beispiele, wo Gott Menschen Macht gegeben hat, aber diese damit nicht umgehen konnten. Macht kann schon göttlich sein die man empfängt, aber was wird, wenn man sie falsch einsetzt? Dann hat das nichts mehr mit Gott zu tun. 

Einmal bekam KSB Schweiz zu den bereits in ihrem Besitz befindlichen großen Liegenschaften in Kaltbrunn und Bilten zwei kleine Häuser im ungarischen Szárazd zur Verfügung gestellt. Es sollte zu missionarischen Zwecken verwendet werden. Die Renovation und sämtliche Benutzungskosten wurden von einem Pastor aus Deutschland bezahlt. Mein Mann musste oft zu ihm fahren und alle möglichen Gefälligkeiten erweisen, nur dass man sein Geld bekommt. Missionarische Tätigkeiten wurden dort in Ungarn sehr, sehr wenige durchgeführt. Nachdem die Personen, die dort arbeiten sollten, die Mission dort verlassen hatten, bekam KSB einen schlechten Ruf in der Umgebung. Es folgte eine Zeit wo niemand mehr hingehen wollte. Darauf ging ich mit einer kleinen Gruppe hin und wir haben ein Haus in kurzer Zeit bewohnbar gemacht. Mit den Dorfbewohnern haben wir wieder den Kontakt hergestellt. Aber den Leitern von KSB hat das nicht gefallen – das zeigt, dass sie gar kein Interesse an den Menschen haben. 

Nach einem Jahr machte ich noch einmal einen Einsatz mit einer Gruppe von Burschen – das war mein letzter Einsatz – weil ich nicht mehr mit ansehen konnte, wie man Menschen behandelte. Beispiel: Zwei Familien aus dem nicht weit entfernten Voiteg in Rumänien wollten uns helfen. Als sie ankamen, bekamen sie eine Unzahl an Telefonaten von der „Obrigkeit“ und sie mussten am selben Tag wieder zurück fahren – daran sieht man wieder, dass Menschen nicht tun dürfen, wie sie empfinden. Auch uns wurde von der KSB-Leitung ständig telefonisch vorgeschrieben, was wir zu tun und zu lassen hätten. Sie gingen sogar so weit, dass wir während des Betonierens alles stehen und liegen lassen   und sofort alle zurück in die Schweiz kommen sollten. Eine Woche nachher bin ich von KSB weggegangen. Genauso geht es auch auf der Mission in Voiteg. Meiner Meinung nach geht es in erster Linie um Macht – etwas zu präsentieren, etwas zu sein – aber mit Gott hat das nichts zu tun. 

Wegen dem Finanziellen ist es meines Wissens in der Schweiz und Rumänien so geregelt: Falls die Mission einmal auseinander geht, geht das ganze Vermögen nach Südafrika.

Frage: Es gibt viele Menschen in KSB, die wollen wirklich Gott dienen und mit ihrem ganzen Herzen ihren Glauben leben. Sind die alle blind, dass sie die diktatorischen Prinzipien in KSB nicht durchblicken? Die müssten doch merken, dass die Lehre von Kwasizabantu nicht ein freimachendes Evangelium ist sondern ein Machtmittel, um Menschen in Abhängigkeit von einer kleinen Gruppe von Leitern zu bringen? Wie kann es sein, dass sie das nicht merken?

Helga Koller: Das stimmt, das ist leider so! Meine Familie und ich waren auch so ein Beispiel. Wir wollten Gott dienen. Aber diese Irrlehre die sie predigen – das ist ja nichts anderes als Gehirnwäsche – die ist so schleichend (vordergründig sind die Predigten bibelzentrisch aufgebaut, was das Erkennen des wahren Hindergrundes erschwert), wenn du es merkst, schaffst du es fast nicht allein auszusteigen. Es ist wie eine Droge, da braucht es eine Entziehungskur – und dann schaffen es wirklich nur wenige. Man hat die Kraft nicht – man kann die Realität nicht mehr unterscheiden weil einem dauernd nur der Gedanke kommt „könnte es nicht doch Sünde sein, was du jetzt tust?“ … Sünde, Sünde, Sünde –  aber von der Gnade Gottes spricht keiner. Man bekommt mit der Zeit ein falsches Bild von Gott, vom Leben als Christ, von dem, was Gott von uns erwartet. 

Ich weiß noch als wäre es heute. Nachdem ich ausgestiegen war, war ich so verzweifelt, wusste auch nicht mehr was gut und schlecht war. Ich dachte, Gott hätte mich verworfen … Da ging ich zu einem Prediger, einem wirklich wahren Hirten. Der sah mich an, dann fragte er mich: „Was müssen sie tun, um in den Himmel zu kommen …?“ Ich antwortete: „Ja, sündenfrei leben, so wie es Gott gefällt“. Er sagte: „Nein. Wir müssen Gott lieben von ganzem Herzen.“ Mir fiel ein Stein vom Herzen und Schuppen von den Augen – all das hatte man uns in all den Jahren nicht gesagt, sondern nur Sünde, Sünde … Und ich glaube, wenn man Gott liebt von ganzem Herzen – dann folgt automatisch ein geheiligtes Leben Schritt für Schritt. 

Jahrelang hat man uns nur vom verlorenen Sohn gepredigt – und wo bleibt der „gute Hirte,“ der gute Hirte, der den Verirrten nachgeht? Er lässt all die 99 und geht dem einen nach. Das würden sie nie, diese stolzen Prediger von KSB. Sie warten auf den verlorenen Sohn. Oft kamen sie mir wie die Pharisäer vor. 

Frage: In der Domino Servite Schule von KSB Schweiz sind jahrelang Kinder geschlagen worden. Auch Du hast Kinder geschlagen. Wie stehst Du heute dazu? Und: Dein ehemaliger Mann wusste von diesen Praktiken (auch er hat geprügelt) – wussten Erlo und Friedel Stegen auch davon? Oder wussten viele sogar davon?

Helga Koller: Ja, das ist so. Ich habe ja das Bubeninternat geleitet. Wenn ich heute nochmals bei meinen Buben wäre, dann würde ich das nicht mehr machen. Aber das ist das Erste, was ich bei KSB lernte und ich glaube das geht vielen so – man muss die Kinder züchtigen, man muss ihren Willen brechen in den ersten Lebensjahren. Das wird so gelehrt. Aber nach dem die Schule kurz geschlossen wurde, hat man damit aufgehört. Es wurde kein einziges Kind mehr geschlagen. In den Jahren wo ich mit den Kindern gearbeitet habe, lernte ich, man muss das Herz eines Kindes gewinnen, dann folgt es gerne und man muss ein Kind Kind sein lassen. In KSB müssen die Kinder sich aber wie Erwachsene benehmen. Die dürfen gar nicht kindlich sein. Die Eltern der Kinder wussten es natürlich. Man hat ja auch nur die „Insiderkinder“ geprügelt, wo man wusste, die Eltern gehen nicht zu den Behörden. Aber das ist vorbei, ich hoffe es so – also wenigstens wie ich noch dort war, war es so.

Frage: Nachdem die Behörden die Internatsschule zur Untersuchung der Prügel-Vorwürfe vorübergehend geschlossen hatten, läuft der Schulbetrieb weiter – jetzt ohne Prügel. Wie werden die Kinder nun auf die Moral von KSB getrimmt?

Helga Koller: Ganz klar: durch Gehirnwäsche. Und mit Druck, Schulverbot und sonstigen Sanktionen. Die Lehrer sind kalt, hart, ohne jegliches Mitgefühl, sogar die, die selber Kinder haben. Es hatte sich in letzter Zeit wahnsinnig zugespitzt. Sogar die großen Kinder, damit meine ich die 16-Jährigen und aufwärts, werden wie kleine Kinder behandelt. Wenn sie etwas reden, was dem Lehrer nicht passt – dann sind sie frech, müssen die Klasse verlassen, müssen zu einem „Seelsorger“. Sie dürfen manchmal sogar zwei Tage nicht in die Schule. Von daher ist es fraglich, ob das eine gute Schule ist, für die sie sich halten. Nachdem ich KSB verlassen hatte, schulte ich zwei meiner Kinder in die öffentlichen Schulen ein. Beide Lehrer sagten mir, dass meine Kinder große schulische Lücken haben.

Noch eine Begebenheit möchte ich erwähnen. Meine kleinste Tochter, damals sieben Jahre alt, ging mit einer Schulfreundin in der Pause hinter ein Gebüsch anstelle auf ein WC“. (Weil sie zu faul war, aufs WC zu laufen) Ein Junge, der ein Jahr älter war und der schon ein paar mal wegen ähnlichen Taten bestraft wurde, ging sie bei einer Lehrerin verklagen. Nur hat der Kleine auf seine Art erzählt: die zwei hätten sich nackt ausgezogen und beschaut. Nun folgte eine Reihe von Verhören  – Kinder Lehrer, Eltern Lehrer, Kinder Schulvorstand, Eltern Schulvorstand usw. Schlussendlich hatten die Kinder eine Woche Schulverbot, dass sie nachdenken, was sie getan haben und ob sie noch in dieser Schule bleiben möchten. Meine Tochter war total durcheinander, weinte ständig und wusste gar nicht wofür  sie bestraft wurde. Ich wurde auch von meinem Mann und Friedel Stegen angehalten, streng und hart mit dem Kind zu sein. Ich durfte sie auch nicht trösten. Das Kind bekam solche Gehirnwäsche, dass es die Tat zugab, die es nie begangen hatte. Und so wird es heute weiter gehen mit dieser Schule mit Groß und Klein, davon bin ich fest überzeugt. 

Die Voraussetzung dafür, dass sie wieder in die Schule gehen durfte, war, dass sie und ich ein Papier unterschreiben mussten, wo Punkte darauf standen wie: sie darf nicht mit Jungen zusammen sein, sie darf nicht Liebesbriefe schreiben, sich nicht nackt ausziehen. Der Schuldirektor hat das in meiner Gegenwart vorgelesen. Nachher fragte sie mich, was er überhaupt da vorgelesen hätte – so sah ich, dass sie überhaupt nicht verstanden hatte worum es ging. Die Behörden wissen aber nichts von diesen Papieren. Die Behörden bekommen auch ein ganz anderes Schulreglement vorgelegt als die Eltern, die zu KSB gehören.

Frage: Was ist für Menschen das Anziehende an KSB?

Helga Koller: Ich kann nur von mir selber reden, aber ich glaube, es geht jedem so. Für mich war das Anziehende die scheinbare Freundlichkeit dieser Menschen, die Eintracht mit der sie miteinander leben, das scheinbar harmonische Familienleben. Nur, mit den Jahren, wenn man drinnen ist, merkt man, dass es gar nicht Harmonie ist, sonder Druck, Zwang, Gewalt, denen man ausgesetzt ist. Und schlussendlich erkaltet die Liebe, die das Größte wäre. Nachdem ich weg bin, hab ich mir oft die Frage gestellt, wie kann ein Mensch der heute noch dein bester Freund war, morgen die größten Lügen über dich verbreiten? Nur weil es ihnen so befohlen wird. Ich wurde oft an das Wort erinnert: Kann eine Quelle süßes und bitteres hervorbringen. Nein, sie kann es nicht – aber ein Menschenherz, das in KSB verbittert wurde, wird feige und hat Angst.

Frage: Wie hat KSB im Inneren Zirkel auf die Veröffentlichung der Berichte über die Praktiken von Kwasizabantu im Internet reagiert?

Helga Koller: Ganz panisch. Die Gemeinde wurde zusammengerufen. Es wurde ihnen mitgeteilt, dass die Menschen, die von KSB weggegangen sind (etliche wurden sogar mit Namen genannt) zu Feinden geworden sind. Dann wurden etliche Sätze aus dem Internet vorgelesen, aber nur die, die ihnen gepasst haben, und verdreht ausgelegt. Die Menschen wurden gewarnt, diese Berichte nicht zu lesen und falls man per Post welche zugeschickt bekommen würde, diese zu verbrennen. Das zeigt mir wieder, dass sie erstens Angst haben, dass die Wahrheit ans Licht kommt, zweitens nehmen sie dem Menschen die Selbstständigkeit ab, zu unterscheiden, was gut und schlecht ist. Vor was sie aber am meisten Angst hatten, war, dass die Behörden dahinterkommen was alles unter dem Deckmantel KSB steckt. Ich meine CFT (Christen für die Wahrheit), WLW (Wahre Liebe Wartet), DSS-Schule, Euro-Chor, in der Schweiz die Hof Oberkirch AG und KSB-Mission und noch andere. In all diesen Vereinen waren die selben Menschen die Führenden. Damit nun die Medien nicht dahinter kommen, wurden überall verschiedene Personen eingesetzt. Wenn man ein Interviews gab, musste man sich auf seine ursprüngliche Kirche berufen und sollte nicht sagen, das man zu KSB gehört.

Frage: Was hast Du seit Deinem Ausstieg aus KSB mit KSB erlebt und was befürchtest Du, was Du jetzt mit KSB erleben wirst, wenn Deine Aufzeichnungen nun in die Öffentlichkeit gelangen?

Helga Koller: Ich habe KSB kennen gelernt, ihr wahres Gesicht, wie und wer sie wirklich sind. Wenn ich an KSB-Schweiz denke, an die Prediger – sie haben ihr Verhalten mir und meinen Eltern gegenüber nicht Gottes Willen ungtergeordnet sondern dem Willen Friedel und Erlo Stegens. KSB-Schweiz ist menschenabhängig, alles hängt davon ab, wie Friedel und Erlo Stegen es sehen. Nichts, aber auch gar nichts darf man selber entscheiden, alles muss von Südafrika genehmigt sein, nach Gottes Willen fragt keiner. Es ist wie im Kommunismus –  wenn einer eine Idee hat, fragt der andere gleich: weiß Friedel Stegen das, hast du ihn gefragt…. Jeder hat Angst vor jedem. 

KSB ist besessen von Geld und Macht. In all den Jahren wo ich bei KSB war, haben wir KSB und seinen Leitern unser ganzes Geld gespendet. Aber daran denke ich nicht mehr und das soll auch dort bleiben. Aber da waren Gelder die ich nicht gespendet habe, sondern die ich als Darlehen gegeben, oder in unsere Wohnung im KSB-Zentrum Kaltbrunn investiert habe. Bei meinem Wegzug schrieb ich der Mission, dass ich gern die zwei Darlehen zurück haben möchte und die Investition – das waren ca. 40 000 – 50 000. Franken. Insgesamt mit den je 50 000.- Franken Darlehen wären es ca. 150 000.- Franken gewesen. Wie ich gehört habe, hat KSB meinem Mann die zwei Darlehen, die auch schriftlich nachweisbar waren, zurück gezahlt. Davon habe ich aber nichts bekommen – aber das ist ja eine Sache zwischen mir und meinem Mann. Später schrieb ich der Sekretärin von KSB noch mal einen Brief. Ich bat sie mir das Geld zu überweisen, listete ihr im Groben noch einmal die Sachen auf. Ich habe das Geld bis heute nicht bekommen. Was machen erst andere, die ihre Häuser oder Eigentumswohnungen verkauft haben und das ganze Geld der Mission gegeben haben und jetzt dort zu Miete wohnen. Manche haben sogar ihre guten Posten aufgegeben um unentgeltlich bei der Mission zu arbeiten…. 

Ich habe wieder bei Null angefangen und einen Monat lang aus Jogurtbechern getrunken. Vom  Löffel zum Stuhl bis zum Bett musste ich mir alles neu anschaffen. 

Zu der Frage was mich erwartet, wenn dieses alles veröffentlicht wird: Ich weiß,  alles was ich hier gesagt habe, ist wahr. Und ich könnte noch viel, viel mehr sagen.

Ich hoffe, dass wenigstens ein paar Menschen, die noch da drinnen sind, dieses hier zum Lesen bekommen und zur Erkenntnis der Wahrheit finden.

Denn nur die macht wirklich frei.