«Unbedingt etwas machen»

Sudost Schweiz 22. Oktober 2006 von Pascal Zwicky

Die Interpellation von Daniela Colombo (SP) zur Privatschule Domino Servite in Kaltbrunn unterzeichneten nicht weniger als 16 Kantonsräte aus der Region. Die «Südostschweiz» fragte parteiübergreifend nach den Beweggründen.

«Aufmerksam auf das Problem wurde ich durch die Medien», sagt SP-Kantonsrätin Daniela Colombo. Sie hat in der Septembersession eine Interpellation zur umstrittenen Privatschule Domino Servite in Kaltbrunn eingereicht (die «Südostschweiz» berichtete). Darin fragt sie:

• Wie stellt sich der Kanton zu den massiven Vorwürfen gegen Domino Servite?
• Sind seit Bekanntwerden der Vorwürfe die Kontrollen erhöht worden? Falls ja, zu welchem Ergebnis ist die Regierung gekommen?
• Erkennt die Regierung Handlungsbedarf und wie gross ist der Handlungsspielraum, fundamentalistisch ausgerichtete Privatschulen – wie zum Beispiel Domino Servite – die Bewilligung zu entziehen?

Die Jonerin, die selbst als Lehrerin arbeitet, sieht in erster Linie die freie Persönlichkeitsentwicklung der Kinder an der Domino-Servite-Schule gefährdet. «Da muss unbedingt etwas unternommen werden.» Weiter hofft sie, dass die öffentliche Thematisierung die Schule dazu bringt, das Wohl der Kinder verstärkt in den Vordergrund zu stellen. «Dass Domino Servite auf öffentlichen Druck reagiert, hat sich in der Vergangenheit schon mehrmals gezeigt», so Colombo. Beispielsweise als 2004 über die Züchtigung von Schülern berichtet worden sei.

Kanton soll aktiver werden

Schliesslich wollte Colombo mit ihrer Interpellation die kantonalen Behörden dazu ermuntern, aktiver zu werden. «Aufgrund meines aktuellen Informationsstands halte ich es für legitim, dem Erziehungsdepartement in dieser Sache eine gewisse Passivität vorzuwerfen; es versteckt sich zu oft hinter dem Argument der Glaubensfreiheit.» In ihrer Einschätzung erhielt Colombo prominente Unterstützung. «Der Sektenexperte Hugo Stamm sagte mir gegenüber, der Kanton würde bei einer gezielten und flächendeckenden Recherche auf jeden Fall etwas finden». Sie vermutet, dass die Thematik beim Kanton ganz einfach keine Priorität geniesse. «Es ist noch kein Politikum, wie es der VPM vor einigen Jahren im Kanton Zürich war.»
Colombo geht davon aus, dass es schwierig wird, zu konkreten Resultaten zu kommen. «Vor allem weil sich die Schule an den Lehrplan und das Volksschulgesetz hält», ergänzt sie. Der Handlungsbedarf und der juristische Handlungsspielraum würden sich nicht decken. Dennoch will sie dran bleiben. Einige Erfolge kann Colombo auch bereits verbuchen. «In der Zwischenzeit hatte ich Kontakt mit ehemaligen Sektenmitgliedern, die sich bereit erklärt haben, nicht mehr nur anonym, sondern mit ihren Namen an die Öffentlichkeit zu gehen.»

Parteiübergreifendes Thema

Dass Colombos Skepsis gegenüber Domino Servite von politischen Vertreterinnen und Vertretern aus dem ganzen Linthgebiet geteilt wird, zeigt die Tatsache, dass von 41 Mitunterzeichnenden 16 aus der Region stammen. Von diesen 16 sind 14 aus dem bürgerlichen Lager. «Dass Domino Servite über die Parteigrenzen hinweg ein Thema ist, hat mich gefreut», sagt Colombo. Von ihr ist auch zu erfahren, dass die Kaltbrunner SVP-Kantonsrätin Marianne Steiner die Interpellation zwar durchgelesen, sie aber bewusst nicht unterschrieben habe.
Steiners Parteikollege Toni Jöhl aus Amden hingegen gehört zu den Mitunterzeichnern. «Es ist wichtig, dass jetzt Abklärungen in die Wege geleitet werden und die Diskussionen dann aufhören. Für die Region ist es nicht gut, wenn es noch mehr negative Schlagzeilen gibt», meint Jöhl. Er wolle Sicherheit darüber, dass in Kaltbrunn alles gut laufe. Der Uzner Emil Zahner, auch er von der SVP, unterzeichnete die Interpellation, «weil über Domino Servite in der Bevölkerung schon länger gesprochen wird». Er verweist auf die Neuerungen im Strafprozessgesetz, die in der Novembersession voraussichtlich verabschiedet würden. «Der Staatsanwalt erhielte grössere Kompetenzen, um in solchen Fällen einzugreifen.»
Der mitunterzeichnende CVP-Kantonsrat und Gommiswalder Gemeindepräsident Peter Göldi strebt die Klärung der bestehenden Unsicherheiten an. «Mir geht es um genau diese Fragen, die Daniela Colombo gestellt hat.» Je nachdem wie die Antwort der Regierung ausfalle, würde sich dann möglicherweise neuer Handlungbedarf ergeben.

«Im Interesse der Kinder handeln»

Marie-Therese Huser (FDP) aus Wagen weist darauf hin, dass der Kanton bei einer Schule mit kantonaler Bewilligung seine Aufsichtspflicht zu erfüllen habe. «Das Erziehungsdepartement soll das Gespräch suchen und definieren, was die geltenden Massstäbe sind.» Die Vorwürfe gegenüber Domino Servite seien weder durch die Verantwortlichen der Privatschule noch durch den Kaltbrunner Schulrat in befriedigender Weise entkräftet worden. «Wir müssen ans Licht bringen, was hinter den Türen der Schule abläuft», bekräftigt Huser und fügt an: «Man muss im Interesse der betroffenen Kinder handeln. Sie werden durch ihre Eltern angemeldet und können sich nicht wehren.»