„Ein völlig Fremder….“

Bei KwaSizabantu dürfen nur Paare heiraten, die sich nicht kennen | News24 berichtet am 23. Oktober 2020 über absurde Heiratspraktiken bei KSB

Als ihr jetziger Ehemann bei Lany* um ihre Hand anhielt, war sie sich nicht einmal sicher, wer er war.

Tatsächlich hat er die Frage nicht einmal selbst gestellt.

In Übereinstimmung mit der Praxis in der KwaSizabantu-Mission übermittelte ihr ein Gemeindeleiter den Heiratsantrag und nannte ihr den Namen des Mannes, der sie zu seiner Frau machen wollte.

„Mein erster Gedanke war: ‚Wer ist das? Der mit dem Schnurrbart?‘,“ erinnerte sich Lany.

In KwaSizabantu sind Beziehungen zwischen ledigen Mitgliedern des anderen Geschlechts verboten.

Aber Anhänger dürfen heiraten, wenn der Mann eine spirituelle Offenbarung darüber hatte, wer seine Frau sein soll; das „Paar“ rein bleibt, ohne jeglichen Kontakt; und die Gemeindeleitung der Verbindung ihren Segen gibt.

Während die Mission behauptet, ihre Lehren und Lebensweisen seien biblisch fundiert, hat sie es versäumt, News24 Verse aus der Bibel zu nennen, die auf ihre Heiratsregeln verweisen.

Lany, die ihren Mann Jan* in Übereinstimmung mit den Gepflogenheiten von KwaSizabantu heiratete, ist seit 16 Jahren verheiratet.

Die ehemalige Lehrerin, eine Mutter von fünf Kindern, sagt gegenüber News24, dass sie sich noch immer mit den Auswirkungen und dem Trauma der Hochzeit im Jahr 2004 auseinandersetzen müssten.

Lany, eine deutsche Staatsbürgerin, die als Teenager Südafrika besuchte, nachdem sie von der Mission in ihrem Heimatland gehört hatte, studierte später am Cedar College of Education, welches sich auf dem Gelände von KwaSizabantu in KwaZulu Natal befindet.

Nach Abschluss ihres Studiums kehrte sie nach Deutschland zurück, um dort an der Schule der Mission zu unterrichten.

Jan, der zu ihrer Gemeinde gehörte, hielt kurz nach ihrem 26. Geburtstag um ihre Hand an.

In der Überzeugung, dass der Weg der Mission der „reinste und moralischste Weg“ sei, um zu heiraten, betete sie zu Gott um ein Zeichen, dass dies der Mann sei, den er für sie ausgewählt hatte.

„Ich glaubte an diesen idealen Weg zu heiraten, ohne sich zu verabreden, ohne einander kennenzulernen“, sagt Lany.

Sie war offen gewesen für jeden, der sich an die Gemeinde wandte, um ihre Hand zu bitten.

„Ich war bereit, Gottes Willen zu tun. Selbst wenn er mich bat, einen Deutschen zu heiraten“, witzelt sie und erklärte, dass sie „die Kultur nicht wirklich mochte“.

Als Friedel Stegen, der Bruder des KwaSizabantu-Gründers Erlo Stegen, sie in ein Büro rief und ihr von Jans Antrag erzählte, wusste sie nichts von ihrem Verehrer, an den sie sich nur als einen der wenigen Gemeindemitglieder mit Schnurrbart erinnerte.

„Vor sechzehn Jahren waren Bärte nicht in Mode. Er war einer der wenigen Menschen, die einen Schnurrbart trugen“, erinnert sich Lany.

Nachdem sie von dem Antrag erfuhr, fühlte sie sich wie vom Donner gerührt und beklagte, dass sie sich nicht zu Jan hingezogen fühlte und das, was sie von seinem Charakter beobachten konnte, nicht ansprechend fand.

„Man denkt: Jemand liebt mich!, aber dann: Wie kann er mich überhaupt lieben? Wenn er wüsste, wie ich bin, wie schlecht ich bin, würde er mich nicht heiraten wollen.

„Und woher soll ich wissen, ob es Gottes Wille ist? Ich möchte Gottes Willen tun, aber warum spricht er nicht?“

Heiratsanträge dürfen nicht mit anderen diskutiert werden, erklärt sie, auch nicht mit den Eltern, da dies „Gedanken“ über einander Raum schafft und einen „Fleck oder Makel“ auf der angestrebten Reinheit der Ehe hinterlässt.

Lany überdachte den Antrag etwa zwei Monate lang, bevor sie ihn annahm und zu der Entscheidung kam, dass es Gottes Wille war, dass sie heirateten.

Während dieser Zeit hatte sie ihren zukünftigen Ehemann beobachtet und seine Demut und seinen ruhigen Charakter schätzen gelernt.

Sie hatte jedoch absolut keinen Kontakt mit Jan. Sie kommunizierten über einen Vermittler – ihre zukünftige Schwägerin.

Dadurch war die Sache offen für Missverständnisse oder Nachrichten, die nicht den Weg zum anderen fanden, sagt Lany.

Jan hatte gewollt, dass sie erfuhr, dass er gesundheitlich angeschlagen war. Jedoch erreichte diese Nachricht sie nie, während ihre Frage nach seiner Meinung bezüglich der Fortsetzung ihres Lehramtsstudiums nie beantwortet wurde.

 

Etwas stimmte nicht.

Und am Ende heiratest du trotzdem einen Fremden, sagt sie.

Sie sagt: Die größte Sorge war für mich: Was für einen Charakter hat er? Ich möchte mich in vertrauenswürdige Hände begeben. Aber man weiß nicht, was für ein Typ Mensch auf der Empfängerseite steht.

Sie erinnert sich an ein nagendes Gefühl, dass „etwas nicht stimmt“, aber sie glaubte, dass Gott für alles sorgen würde, was für eine erfolgreiche Ehe nötig ist.

„Wenn du nicht glücklich verheiratet bist, gefährdest du das Dogma von KwaSizabantu über den Heiratsweg, denn es wird beansprucht, dieser Weg bringe die glücklichsten Ehen der Welt hervor“.

Auf die Frage an ihren Seelsorger, was von ihr als Ehefrau erwartet werden würde, kam als knappe Antwort: Darüber würde sie an ihrem Hochzeitstag von Erlo Stegen informiert werden.

Lany erinnert sich an ihre Freude und Aufregung, als sie den Gang zum Altar entlangging.

Doch ihre erste Begegnung mit Jan war komisch, sagt Lany, da er sie – außer ihre Hand zu halten – nicht berühren wollte.

„Ich habe mich wirklich darauf gefreut, mein Leben mit einem anderen Menschen zu teilen. Es war mein Ziel, dass wir tatsächlich großartige Freunde werden würden, dass wir unseren Glauben gemeinsam teilen würden, dass wir Aktivitäten in der Gemeinde durchführen würden, uns gegenseitig ermutigen“, sagt sie.

Die ersten Jahre ihrer Ehe waren jedoch „schrecklich“.

„Ich habe einen sehr gütigen Ehemann. Das blieb er all die Jahre hindurch. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt sie.

„Aber wir fanden schnell heraus, dass es für uns schwierig war, zu kommunizieren. Wir hatten kaum gemeinsame Interessen. Und wenn die Kommunikation schwierig ist, ist das nicht förderlich, Nähe zu spüren oder sich ungezwungen und wohl zu fühlen“.

Als das „Neue“ der Ehe nachließ, fühlte sie sich allein.

„Dieser Zustand, sich auf das Neue und Unerwartete eingelassen zu haben, nachdem du alles andere zurückgelassen hast, überwältigt einen einfach. Es ist eine Überforderung. Und es ist etwas, das so viel von dir verlangt, dass du nicht damit umgehen kannst.

„Man versucht sich anzupassen, sich einzuordnen, zu funktionieren. Man schiebt die Zweifel beiseite. Die ganze Beziehung  – wenn man es so nennen kann – ist eine extrem schwache, empfindliche und instabile Sache“.

In der Zeit ihres dritten Hochzeitsjubiläums hatte Lany Selbstmordgedanken.

„Ich war erschöpft, ich war verzweifelt, ich war am Ende. Ich fühlte mich eingesperrt, gefangen, allein gelassen. Ich wusste absolut keine einzige Möglichkeit, wie wir unsere Situation tatsächlich hätten verbessern können.

Ich hatte ein extrem starkes Gefühl, dass etwas fehlt, dass etwas nicht stimmt. Es fehlt ein großes Stück des Puzzles, aber ich weiß nicht, welches es ist.“

 

Ich habe daran geglaubt, also muss es an mir liegen.

Trotz ihrer Krise stellte sie nie die Art und Weise in Frage, in der sie heirateten.

„Daran zweifelt man nie. Ich habe daran geglaubt, also muss es an mir liegen. Viele Jahre lang gab ich mir selbst die Schuld; ich begann nach allem zu suchen, was ich falsch mache. Ich fing an, alles in meiner Macht und in meinem Wissen stand zu tun, von dem ich dachte, es könnte funktionieren, könnte uns helfen.

„Was ich wirklich wollte war Nähe, eine Beziehung. Aber das gelang uns nicht, es funktionierte nicht.“

Sie war auch zutiefst traumatisiert, weil sie ihre Jungfräulichkeit ohne eine dazugehörige emotionale Bindung verloren hatte, sagt sie.

Nachdem sie in diesen Anfangsjahren Sex gehabt hatten, hatte sie das Gefühl, benutzt zu werden, als hätte sich jemand an etwas bedient, zu dem er kein Recht hatte. „Und es war seltsam, denn ich dachte, wir täten das Richtige.“

Lany suchte bei den KwaSizabantu-Seelsorgern Rat, ohne sich anmerken zu lassen, dass ihre Ehe litt.

„Eheprobleme zuzugeben wäre eine Schande für Gott, für die Gemeinde und für diese reinste Methode zu heiraten gewesen. Wenn man es auf KSB-Methode macht, dann soll man eine Ehe nach Hollywood-Art haben“.

Die Seelsorge half jedoch nicht weiter.

„Wenn man sich mit einem Fremden vereint, stehst du mit essentiellen Fragen da, die unbeantwortet sind,“ sagt Lany.

Zum Beispiel: „Was genau gefällt ihm an mir? Warum will er gerade mich heiraten?“

Bis jetzt können mein Mann und ich einander nicht ehrlich sagen: „Du bist die einzige Person, die ich jederzeit wieder heiraten möchte. Das können wir nicht sagen. Und wir wünschten, wir könnten es.“

 

Die KwaSizabantu – Art und Weise zu heiraten, soll bis in die späten 1960er Jahre zurückreichen, der „Erweckung“ unter den Zulus im Jahr 1966 folgend, die zur Gründung der Mission führte.

Erlo Stegens Nichte, Lynne Giessing, wurde geächtet, weil sie den Heiratsantrag ihres jetzigen Ehemannes John akzeptierte.

 

Stegens Nichte, Lynne Giessing, erklärte, dass ein Mann, der glaubte, es sei Gottes Wille, keinen Kontakt zu seiner zukünftigen Braut zu haben, Stegen gebeten habe, als Vermittler zu fungieren und um die Heirat der Frau zu bitten. Sie hatte dem zugestimmt, aber das Paar hatte bis zu ihrem Hochzeitstag keinen Kontakt.

„Anscheinend waren ihre Verlobung und danach ihre Ehe ein solcher Segen für alle, dass die Mission aus dieser Erfahrung ein Gesetz machte. Dieser Weg, durch Erlo als Vermittler zu gehen, wurde dann der einzige Weg, den wir kennen, wie ein Paar sich in der Mission verloben und heiraten konnte.

Giessing gehört nicht mehr zu KwaSizabantu. Sie verließ die Mission vor über 20 Jahren, nachdem sie geächtet worden war, weil sie den Antrag eines Mannes angenommen hatte, der nicht die Zustimmung ihres Onkels Erlo erhalten hatte.

Ihr Mann hatte den Fehler gemacht, ihren Vater, Erlos Bruder Manfred, um die Hand seiner Tochter zu bitten, und nicht ihren Onkel, den Leiter von KwaSizabantu.

Stegen hatte ihr von dem Antrag erzählt, über den sie betete und den sie annahm.

„Als ich zu [Onkel] Erlo zurückging, um ihm zu sagen, dass ich absoluten Frieden hatte, John zu heiraten, war er mit meiner Antwort nicht glücklich“, erinnerte sie sich, da John Afrikaans ist und eine Afrikaans-Kirche besuchte. Obwohl John oft in eine KwaSizabantu-Zweiggemeinde ging, befriedigte dies den Gründer der Mission nicht.

„Nachdem ich zwei Jahre lang gewartet hatte, sprach ich mit meinem Vater, und er ging zu seinem Bruder, um ihn zu fragen, was der Grund dafür sei, dass er uns nicht trauen wolle.

Mein Vater war der Meinung, wenn zwei Menschen darum gebetet haben, zu heiraten, und glauben, dass es das Richtige sei, wer seien sie dann, dass sie dagegen sind?

Stegen sagte seinem Bruder jedoch, dass er sie trauen solle, wenn er so empfinde.

„Mein Vater fuhr dann nach Pretoria, wo John studierte, und fragte ihn, ob er mich noch immer heiraten wolle. John hatte nichts mehr gehört, seit er um meine Hand angehalten hatte, und wir hatten auch keinen Kontakt gehabt.

„John sagte, dass er immer noch zu dem steht, was er glaubt. Wir verlobten uns dann und heirateten im folgenden Jahr.“

Vor ihrer Hochzeit im März 1994 nahm sie weiterhin an den Missionsveranstaltungen teil, in der Hoffnung, dass Stegen seine Meinung ändern und die Trauung durchführen würde.

Das tat er aber nicht.

 

Geächtet

Die Kirchenmitglieder wussten nicht, wie sie auf sie und ihre Familie reagieren sollten, da die Verlobung von Stegen nicht gebilligt worden war.

„Unsere Familie und Freunde hörten auf, uns zu besuchen. Einige schauten weg, wenn sie uns kommen sahen. Wir wurden geächtet. Deshalb hörten wir später auf, zur Mission zu gehen. Es tat zu sehr weh“.

Heute, 26 Jahre später, sind sie und John immer noch glücklich verheiratet.

„Der Frieden, den ich gleich zu Beginn erhielt, als ich um Gottes Führung in dieser Sache betete, war absolut vom Herrn. Er hat mir den wunderbarsten Ehemann geschenkt“, sagte sie.

Aber wenn sie es noch einmal tun könnte, würde sie nicht auf die KwaSizabantu-Art heiraten, gestand Giessing.

„Mein Mann und ich haben uns vor unserer Hochzeit nicht kennen gelernt und ich erhielt meinen ersten Kuss erst an unserem Hochzeitstag. Wenn ich zurückblicke, habe ich das Gefühl, all die Aufregung verpasst zu haben, die das Kennenlernen mit sich gebracht hätte.

Die Verlobung sollte eine ganz besondere Zeit sein, in der man verwöhnt wird und sich als jemand Besonderes fühlt.

In der Mission darfst du nicht einmal telefonieren, geschweige denn einander besuchen und kennen lernen“.

Marian*, die sowohl in Südafrika als auch in den Niederlanden Zeit in KwaSizabantu verbrachte, erinnerte sich wie sie „darauf vorbereitet wurde, eine reine Frau für Gott zu sein“ und eines Tages für ihren Ehemann.

Sie sagt:
„Zu wissen, dass ich nur heiraten würde, wenn es „Gottes Wille“ und ich „gut genug für die Ehe“ wäre und davon so abhängig gemacht zu werden, fühlte sich als Frau schrecklich erniedrigend an.

Es war möglich, einen Antrag abzulehnen,“ räumte sie ein.

„Aber dann muss man bedenken, dass man in KwaSizabantu von den Seelsorgern dominiert wird, den Lehren. Man durfte nicht oder war nicht imstande, eine eigene Meinung zu bilden.“

„All dies mag auf den ersten Blick nicht so extrem erscheinen, aber die Schärfe der Verpflichtung, Dinge auf eine bestimmte Art und Weise zu tun, die Abhängigkeit von der Meinung speziell von Erlo und/oder Friedel Stegen war zu meiner Zeit extrem“.

Reinheit bedeutete, alle sexuellen Erfahrungen zu beichten, keine sexuellen Wünsche mehr zu haben, und sich so zu kleiden, dass man für Männer nicht begehrenswert erschien.

„Wir mussten auch versprechen, uns des Sex zu enthalten, bis Gott sagt, dass wir heiraten können“, erinnerte sie sich.

„Die Strafe dafür, dass man überhaupt mit einer Person des anderen Geschlechts sprach, war unverhältnismäßig hart. Ich weiß von einem Fall, bei dem zwei Teenager von der KwaSizabantu-Schule in den Niederlanden verwiesen wurden weil dieser Junge eine Mitschülerin auf seinem Fahrrad zum nahegelegenen Bahnhof mitgenommen hatte“.

 

‚Gut genug, um ausgewählt zu werden‘.

Lucille Fuggle, 40, lebte ein Leben des Gehorsams, während sie auf den Tag wartete, an dem sie „gut genug sein würde, ausgewählt zu werden“ um jemandes Frau zu werden.

Als junges Mädchen in KwaSizabantu eingeführt, zogen die Fuggles zur Mission, als Lucille 16 Jahre alt war, um irgendwo „gut in einer kranken Welt“ zu leben.

Sie sei in einem liebevollen und sicheren Zuhause aufgewachsen und habe sich eines Tages eine Familie und eine ähnliche Umgebung für sich gewünscht.

Es kam kein Heiratsantrag.

Jahrelang hielt sie sich an die Regeln der Mission, da gepredigt wurde, dass die Sünde in deinem Leben Gott davon abhielt, dich für die Ehe auszusuchen, erklärte sie.

„Jahr um Jahr verging. Ich fing an zu glauben, dass es eine ungebeichtete Sünde von früher geben muss, die mein Hindernis war. Aber ich wusste nicht, was das war“, sagte sie.

„Ich sah viele Hochzeiten während meiner Zeit: Menschen, die ich kannte, Fremde, älter als ich, jünger als ich, Gleichaltrige… Aber nicht mich.“

Da sie mit niemandem darüber sprechen konnte, dass sie sich nicht gut genug fühlte, um auserwählt zu werden; da die Sehnsucht zu heiraten auch noch verpönt war, weil es angeblich darauf hindeutete, dass man sich nicht auf das Werk des Herrn konzentrierte, fand sie sich schließlich damit ab, sich als unerwünscht zu betrachten.

„Allem Anschein nach war es so Gottes Wille, aber innerlich kämpfte ich mit der Realität.“

Es stellten sich ihr jedoch Fragen, darunter die Verlobung zweier Mitglieder, deren anstehende Hochzeit später abgesagt wurde. Die Frau heiratete Jahre danach einen anderen.

„Hat Gott einen Fehler gemacht, wenn wir die Lehren der Mission betrachten? Oder hat der Junge/das Mädchen Gottes Stimme falsch gehört?“, fragt sie.

„Haben die Mitarbeiter, Leiter, geistlichen Berater – sogar Onkel Erlo oder derjenige, der zwischen den Verlobten vermittelte und der in dieser Sache ebenfalls Gottes Stimme hätte hören sollen – einen Fehler gemacht? „

Ein anderes Ehepaar, mit dem sie zuvor bei der Mission gearbeitet hatte, trennte sich, und die Frau verließ ihren Mann und zog mit ihren Kindern nach Kapstadt.

„Noch einmal: Hat Gott hier bei seiner Auswahl einen Fehler gemacht?“

Laut Fuggle würden in KwaSizabantu typischerweise einflussreiche Familien untereinander heiraten, während „Gewöhnliche“ miteinander verkuppelt würden.

„Kein märchenhafter reicher Prinz heiratet eine bescheidene holde Maid“, sagte sie.

Sie war 39 Jahre alt, als sie und ihre Eltern sich von der Mission trennten.

Aber die Lehren, denen sie über 20 Jahre lang in KwaSizabantu ausgesetzt war, sind schwer abzuschütteln, wie z.B., dass sie sich selbst als „erbärmliche Sünderin“ ansieht, wenn sie normale Gefühle und Emotionen erlebt, die als „dunkel und böse“ angesehen werden und über die sie beten und beichten muss.

Sie hält sich für introvertiert und war noch nicht in einer romantischen Beziehung.

„Es ist schwierig, jemandem zu sagen, dass man noch nie einen Freund hatte. Sie glauben, dass man lügt oder dass etwas mit einem nicht stimmt.

Also habe ich diese Hoffnungen  hinter mir gelassen. Ich bin zufrieden im Leben. Ich habe meine Mama und meinen Papa, einen Jack Russel und drei Katzen. Und für den Moment ist es gut genug.“

 

Kameradschaft

Während Fuggle sich selbst nicht als einsam betrachtet, glaubt James*, dass es seine Einsamkeit war, die ihn dazu trieb, einen Heiratsantrag zu machen.

Als er Anna, eine Brautjungfer auf einer Hochzeit, der er vor über 20 Jahren beiwohnte, sah, kam ihm ein Gedanke in den Sinn: „Du wirst dieses Mädchen heiraten“.

Während er es damals für eine Offenbarung hielt, erkennt er heute, dass es ein „unbelegter, alltäglicher Gedanke, ein Tagtraum“ war, und nicht Gott, der ihm sagte, dass dies die Frau war, die er sich als seine Lebenspartnerin ausgesucht hatte.

Der inzwischen geschiedene Vater von drei Kindern bat Stegen 1995 um die Erlaubnis zu heiraten.

„Wenn ich jetzt darüber nachdenke, glaube ich, dass ich sie haben wollte, um meine Einsamkeit zu beenden“, sagte er.

Er war in der KwaSizabantu-Zweigstelle Vereeniging aufgewachsen und besuchte die Regelschule, wo die Kinder den Jungen, der am Ende des Schuljahres keine Bud-Spencer-Filme mit ihnen ansehen durfte, als „seltsam“ empfanden.

„Ich konnte nicht wirklich Freunde finden. Ich war unheimlich einsam und mir war klar, dass eine Heirat mit nur 21 Jahren nur ein intensives Bedürfnis nach Kameradschaft war.

Anna, die er attraktiv fand und die ihm „ganz nett“ erschien, nahm seinen Antrag im Dezember 1995 an.

Ihre bevorstehende Heirat wurde von der Kanzel aus bekanntgegeben, und zwei Wochen später folgte ein besonderer Verlobungsgottesdienst.

„Ihr werdet vor die Gemeinde gerufen. Erlo steht zwischen euch beiden, und du gibst ihm den Ring. Er ist derjenige, der ihn ihr an den Finger steckt“, erklärt er.

„Er beschrieb dies als Symbol dafür, dass Gott immer noch zwischen euch beiden steht.“

Es folgte ein Mittagessen bei Stegen zu Hause mit beiden Familien. Das Paar darf weder reden noch zusammensitzen.

„Das nächste Mal sah ich sie an unserem Hochzeitstag, vier Monate später.“

„Ihr Vater führte sie zum Traualtar. Sie trug das Hochzeitskleid ihrer Schwester, eine typische Mode der 1990er Jahre, aber sehr sittsam mit einem hohen Ausschnitt. Sie legte ihre Hand auf meinen Arm, als wir zu den Stühlen an der Vorderseite der Kirche für den langen Gottesdienst gingen.

Nach dem Empfang mit burgunderroter Farbgestaltung – arrangiert von seiner Braut und seinen Eltern, die seinen Heiratsantrag vermittelt und kommuniziert hatten – hatten sie jeweils „das Gespräch“ mit Stegen, bevor sie in die Flitterwochen aufbrachen.

„Kurz gesagt: Zungenküsse erlaubt, die Missionarsstellung ist die einzige Stellung, und ich darf ihre Brüste berühren. Bücher über Sex sind schlecht, kein Oralsex ist erlaubt, das einzige ‚Verhütungsmittel‘ ist die Entzugsmethode.“

„Im Grunde ist man auf ein Leben mit sexueller Dysfunktion eingestellt. Bis dahin kannte man das Wort nicht einmal.“

Zu diesem Zeitpunkt, sagt er, hatten sie noch nicht einmal ihr erstes Gespräch geführt, da seine ersten Worte an sie ihr Eheversprechen gewesen waren.

„Ich hatte noch nie zuvor ein Mädchen geküsst, und plötzlich lag ich mit einem im Bett.

Es war unglaublich traumatisch. Ich würde sagen, wir hatten versucht, Sex zu haben, aber es dauerte ein paar Wochen, bis wir es richtig hinbekommen hatten.

Obwohl die biologischen Triebe natürlich stark sind, fühlte ich mich mit dem, was wir jahrelang taten, selbst nach drei Kindern unbehaglich. Intellektuell wusste ich, dass es nicht falsch war, aber psychologisch gesehen… Sex war Sünde.“

In den ersten Monaten versuchten die Neuvermählten, einander kennen zu lernen: Er seine willensstarke, eigensinnige, familienorientierte Frau. Sie ihren intellektuellen, leseversessenen und reservierten Mann.

„Es ist wie Dating ganz am Anfang: Lustig und neu. Außer, dass man verheiratet ist.“

Doch schon bald zeigten sich die Risse, sagt er: Sie war dominierend, manchmal gewalttätig und kam mit seiner Familie nicht zurecht.

„Aber Scheidung kommt einem gar nicht in den Sinn. Sie ist keine Option, denn man muss dafür sorgen, dass es funktioniert – es ist Gottes Wille, dass ihr zusammen seid. Also ignoriert man die Risse. Man flickt sie zusammen oder leugnet, dass es sie überhaupt gibt. Man hofft einfach, dass es besser wird.“

Aber das wurde es nicht.

Sie trennten sich 2017 und ließen sich später nach 20 Jahren Ehe scheiden.

James glaubt, dass die Art und Weise, in der sie geheiratet hatten, schließlich zum Untergang ihrer Ehe führte.

„Für mich hat es keinen einzigen Vorteil, auf die KwaSizabantu – Art zu heiraten. Du heiratest jemanden, den du nicht kennst oder verstehst. Du musst den Rest deines Lebens mit jemandem verbringen, von dem du nicht einmal weißt, dass du ihn mögen wirst, geschweige denn mit ihm auskommen. Es ist ein katastrophales Konzept und eine grauenvolle Idee. Es ist unvorstellbar. Die Ehe ist kein Stück Papier. Es geht um Kommunikation und Intimität, um ein Band zwischen zwei Menschen. Es ist nicht das, was sie uns verkauft haben.“

 

Biblisch?

 Als die KwaSizabantu-Mission um eine Stellungnahme zu den oben genannten Vorschriften für das Heiraten gebeten wurde, sagte sie, dass es keine von der Bibel getrennte Heiratspolitik gebe.

„Die Schrift leitet uns an, in Reinheit und nach dem Willen Gottes zu heiraten. Ehevorbereitung, die auf biblisch fundierter pastoraler Hilfe und Anleitung beruht, steht jedem zur Verfügung, der darum bittet, ist aber nicht obligatorisch“, hieß es in einer kurzen Stellungnahme zu den Fragen von News24.

„Die Mission und ihre Leitung entscheiden nicht darüber, wer heiraten darf und wer nicht. Dies ist die Entscheidung des Einzelnen. Die Mission ermutigt die Mitglieder, bei der Eheschließung Gottes Willen zu suchen“.

News24 bat um Bibelstellen, in denen auf KwaSizabantus Heiratsmethode Bezug genommen wird.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag noch keine Antwort vor.

Diese wird nach Eingang hinzugefügt werden.

 

*Nicht ihre wirklichen Namen.

 

Tammy Petersen

 

(Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von News24)

 

 

Auch die Anhänger in Europa achten streng auf die  Einhaltung der Heiratsregeln der Mission KwaSizabantu. Nachzulesen hier in einer schriftlichen Erklärung der deutschen Filiale der Mission:

https://www.ksb-alert.com/wir-haben-den-hohen-masstab-verlassen/?lang=de