Führungslos in einer schweren Krise

KwaSizabantu verwickelt sich in Widersprüche / „KSB schadet dem Ruf aller Kirchen“

Die Wucht der durch die südafrikanische Online-Nachrichten-Plattform News24 aufgedeckten Mißbrauchsfälle hat auf der Mission KwaSizabantu hektische Betriebsamkeit ausgelöst. Wie aus einer umzingelten Burg schießen die Verteidiger der Mission aus allen Rohren auf alles, was sich außerhalb der Burg  bewegt.   Nach innen heißt die Parole: Stark bleiben, nicht wanken, der Feind wird uns nicht überwinden. Nach außen indes spricht die Mission mehrere Sprachen die oft  dasselbe sagen: Nur KwaSizabantu ist im Recht, nur KwaSizabantu selbst kann die Vorwürfe aufklären, nur KwaSizabantu ist das Opfer, niemand sonst. Doch eine Stellungnahme überrascht dann doch.

Der Reihe nach. 

Einer der bekanntesten Prediger  der Mission, Dr. Albertus van Eeden, antwortete in dem Sonntagsgottesdienst nach Erscheinen der ersten Artikelserie von News24  nicht direkt auf die Vorwürfe gegen KwaSizabantu – was in der Geschichte von KSB allerdings auch eine echte Neuigkeit gewesen wäre.  Wie immer, wenn   Klagen über die Praktiken der Mission laut wurden, so wurde auch diesmal wieder vom Rednerpult an die Zuhörer im Gottesdienst appelliert, stark zu bleiben und die Reihen zu schließen – um welche Vorwürfe es sich handelt, darüber schwieg sich van Eeden aus. Attacken gegen KSB seien schon Gewohnheit, aber die Gegner seien bislang nicht in der Lage gewesen die Mission zu zerstören, meinte van Eeden. Um dann rhetorisch wieder in die theologische Einbahnstraße von KSB einzubiegen: Der Feind der Gemeinde KSB sei schlechtes Verhalten ihrer Mitglieder, besonders wenn sie ihre Sünden nicht bekennen – das schließlich könne dazu führen, dass Gott die Mission im Stich lässt. 

Für Kenner der Mission KwaSizabantu ist es keine Überraschung, dass KSB wieder einmal die Flucht nach vorne antritt, erneut unter der Prämisse: Wir selbst sind die Abteilung Wahrheit. Etwa eine Woche nach den ersten Veröffentlichungen durch News24 zauberte KSB eine Maßnahme aus dem Hut, die bei Beobachtern in Medien, Politik und Kennern der Interna mit Kopfschütteln zur Kenntnis genommen wurde –  KwaSizabantu kündigte in einer Pressemitteilung die Einsetzung eines eigenen Ausschusses an, der die Vorwürfe gegen die Mission überprüfen soll. Ganze zwei von KwaSizabantu beauftragte Rechtsanwälte aus Johannesburg sollen, natürlich ganz objektiv, in sehr kurzer Zeit herausfinden, was stimmt und was nicht. Originalton KSB: „Zu ihrem Auftrag gehört es, ihre Schlussfolgerungen bis zum 9. Oktober 2020 zu erreichen. Aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung werden sie in der Lage sein, systematisch mit den verschiedenen Vorwürfen umzugehen.“

Warum herrscht Kopfschütteln allerorten? Weil sich da einige Fragen stellen und die Antworten darauf klar sind. Etwa die: Wie neutral werden wohl Anwälte sein, die KSB für  seine Sache einschaltet? Mit wem wollen die Anwälte herausfinden, ob die Vorwürfe stimmen – mit den betroffenen Opfern oder ohne sie? Welches Missbrauchsopfer wird sich Anwälten in Einzelverhören zur Klärung seines eigenen Schicksals ausliefern, wenn diese von jener Organisation berufen wurden, die den Missbrauch zu verantworten hat? Die Anwälte können hundert Mal betonen, sie seien unabhängig – nur: die Erfahrungen mit KwaSizabantu sind so zahlreich, dass der unabhängigste Anwalt der Welt die Mauer des Misstrauens gegen seinen Auftraggeber nicht wird überwinden  können. 

Inzwischen wird in Südafrika darüber spekuliert, ob die 2-Mann-KSB-Kommission womöglich mit Zeugen redet, die im KSB-Auftrag  ein Schauspiel  aufführen, erfundene Geschichten zum Besten geben und dann von der wunderbaren Behandlung durch die Kommission und die demütigen Bitten um Vergebung durch KwaSizabantu loben und preisen. Und das, obgleich sie auf der Mission selbst nie körperlich oder sexuell missbraucht worden sind. 

Bleibt noch die Frage nach der Eile? Warum ausgerechnet bis zum 9. Oktober? Es geht ums Geld. Die Geschäfte gehen schlecht, zu viele Kunden haben wegen der massiven Vorwürfe gegen KSB und seine Wirtschaftsunternehmen alle Aufträge storniert. Eile ist angesagt. Denn wenn kein Geld fließt,  dann verlassen die Mitarbeiter der Firmen in Scharen das Gelände. Dann droht eventuell die Pleite. Am 2. Oktober 2020 plant KwaSizabantu einen Demonstrationsmarsch auf der Mission, bei dem die Arbeiter dafür demonstrieren sollen, dass nicht mehr Weiße in den KSB-Firmen das Sagen haben sollen, sondern Schwarze. 

Dass die Idee von KSB mit der eigenen Kommission zur Aufklärung in Südafrika auf generelles  Misstrauen stößt, ist geradezu logisch. Warum, das macht der Bericht   von Azarrah Karrim in News24 am 1. Oktober deutlich. Denn News 24 erinnert daran, dass es schon einmal eine Kommission gab, die vor zwanzig Jahren ganz ähnlich gelagerte Vorwürfe gegen die Mission aufzuklären versuchte – eine Kommission aus 14 national und international bekannten Leitern christlicher Organisationen, fast die komplette Führung der Evangelischen Allianz Südafrikas.  News24 beschreibt ausführlich die Bemühungen der Kommission, die über 15 Zeugen von Missbrauch aller Art in KSB  anhörte und versuchte,   darüber mit Erlo Stegen und der Führungsebene von KwaSizabantu ins Gespräch zu kommen. Damals wie heute waren es die gleichen Vorwürfe. News 24: „Berichte über unbiblische Predigt und die Rolle von Angst, Brutalität, Missbrauch und Exklusivität bei der Mission schockierten das Gremium, das einen detaillierten Bericht über seine Ergebnisse erstellte, der später der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.“ Die Mission zu einer Aufarbeitung zu bewegen blieb ohne Chance. Stegen verweigerte das Gespräch mit der Kommission rundweg, er setzte auf eine alte Strategie: Er lud deren Mitglieder ein, einzeln nach KwaSizabantu zu kommen und sich   davon zu überzeugen, dass die Vorwürfe nicht wahr sein konnten. Das war die Masche, mit der KSB   schon immer die Skeptiker zu überzeugen suchte: Mit beeindruckenden menschlichen Leistungen und Love-Bombing, der überaus großen Freundlichkeit der KSB-Bewohner, wie man sie in allen Sekten findet. KSB  setzte darauf, das nette Gesicht zu zeigen um sein hässliches Gesicht zu verbergen. Die Mitglieder der Kommission fielen auf den Trick nicht herein und blieben der Mission fern. (Der Bericht der Kommission ist seit 20 Jahren hier zu lesen: https://www.ksb-alert.com/bericht-ueber-die-kwa-sizabantu-mission/?lang=de ) 

Jetzt allerdings gab es einen Paradigmenwechsel, der überall für Erstaunen sorgt. Denn in den Chor der verschiedenen Stimmen von KwaSizabantu zu den jüngsten Vorwürfen reihte sich nun auch eine Tochter von Erlo Stegen ein, Ruth Combrink. Während Albu van Eeden per  Predigt die eigenen Reihen schließen will, Michael Ngubane   über  Radio Khwezi die Welt davon zu überzeugen versucht, dass an den Vorwürfen überhaupt nichts dran  ist, während KSB- Prediger Marius Pretorius uralte Videos in youtube stellt, die Erlo Stegen und die Mission in den Himmel heben und KwaSizabantu als das Paradies schlechthin beschreiben, kommen von Ruth Combrink Töne, die die bisherige Verteidigungslinie von KSB erschüttern. Auch wenn sie über den Umgang der Mission mit den Vorwürfen über Missbrauch vor 20 Jahren Unfug erzählt, äußert sie auch ein gewisses Bedauern für die Opfer der Mission damals und heute – obwohl es  nach offizieller Lesart von KwaSizabantu Opfer von Missbrauch dort doch gar nicht gibt.

New24 schreibt: „Laut Combrink wurden die Anschuldigungen damals aufgegriffen, und diejenigen, die eine Versöhnung wollten, hatten sich mit der Missionsleitung getroffen.“ Combrink gegenüber News24:  „Am wichtigsten war, dass diejenigen, die Beschwerden hatten und sich wirklich um Versöhnung bemühten, bereits im Jahr 2000 mit der Leitung der KwaSizabantu-Mission zusammentrafen. Bei dem Treffen konnten diese Parteien ihre Beschwerden erörtern. Am selben Tag wurden Restitution und Wiedergutmachung geleistet, und die Entschuldigungen wurden von den Anwesenden angeboten und angenommen.“ Alles falsch: Es gab niemanden, mit dem die Führung der Mission KwaSizabantu damals  wegen der Vorwürfe zusammentraf – im Gegenteil, KSB leugnete alle Ergebnisse der Befragungen ihrer Opfer vor der Kommission der Evangelischen Allianz. 

Leserbriefe unter dem Artikel mit ihren Aussagen in News 24 widersprechen Combrink energisch. So wie dieser:

„Liebe Ruth Combrink, im Jahr 2000 war ich noch Mitglied von KwaSizabantu, und ich erinnere mich nicht an Treffen mit unzufriedenen Mitgliedern, mit denen eine Versöhnung stattfand. Ihr Vater, Herr Erlo Stegen, hätte sicherlich eine solche Person vor der Gemeinde „vorgeführt“. Im Gegenteil, ich erinnere mich, dass die Stimmung triumphierend war, weil er dem Feind widerstanden hatte. Um mich zu widerlegen, sagen Sie mir bitte, bei wem  Wiedergutmachung geleistet wurde.“

Oder dieser: 

„Ich kenne die Leute, die vor dem Gremium sprachen, und kann die Tatsache bezeugen, dass KSB (Kwasizabantu) sie als „Dissidenten und Feinde“ behandelte, die die Tageszeit der Mission nicht verdienten. Der Bericht des Gremiums spricht für sich selbst, es ist nur schade, dass die Welt als Ganzes nicht aufmerksam geworden ist und nicht gehandelt hat. Einige der extremen Schmerzen, die den Menschen seither zugefügt wurden, hätten vielleicht vermieden werden können. KSB bringt Ex-Mitgliedern Wärme nur entgegen, wenn das Ex-Mitglied „Buße tut“. 

Oder dieser:

„Als jemand, der vor 20 Jahren vor diesem Gremium gesprochen hat, kann ich bezeugen, dass KSB nie versucht hat, mich zu kontaktieren, um die Dinge richtig zu stellen. Damals wie heute liegt es an mir und den anderen, zu ihnen zu gehen. Und ich werde nie wieder einen Fuß dorthin setzen – sie kannten meine Geschichte lange vor dem Gremium. Ich habe keine Anzeichen wahrer Reue oder Reue gesehen – weder damals noch heute.“

Gestern kam dann auch die Bestätigung, dass Ruth Combrinks Angaben tatsächlich nicht der Wahrheit entsprechen. Der Generalsekretär der Evangelischen Allianz Südafrikas, Moss Ntlha, bestätigte dem Natal Wittness, dass es auf Seiten KwaSizabantus damals keinerlei Bereitschaft gegeben habe, die Vorwürfe über die Gewalttätigkeiten und den   Missbrauch in irgend einer Weise zu klären. Ntlha, der damals selbst zu der Kommission der Ev. Allianz gehörte, sagte der Zeitung, „Wir behaupten immer noch, dass es Missbräuche in der Mission gibt, und wir sind besorgt, dass die Praktiken der Mission das Ansehen des christlichen Glaubens im Land schädigen können“. Es ist ein schwerer Vorwurf, den er äußert: „Die KwaSizabantu-Mission schadet dem Ruf aller Kirchen!“  

Was Ruth Combrink allerdings zu den neuen Vorwürfen sagt ist im Strudel der aktuellen Ereignisse geradezu verwirrend.  Laut News 24 äußerte sie, dass die Mission die jüngsten Berichte ernst nimmt und ihr „tief empfundenes Mitgefühl“ ausdrückt. Das ist berblüffend. Denn während alle anderen Sprecher der Mission die Missbrauchsvorwürfe auf das Schärfste zurückweisen, als Schmierenkampagne und Lügen abkanzeln, redet Combrink plötzlich von „Mitgefühl“. Mitgefühl mit wem? Hat  die Frau etwa verstanden, dass die Vorwürfe doch keine Lügen sind oder soll sie nur mit ein bisschen öffentlich gezeigter Empathie Sympathien für die „Mission des Horrors“ gewinnen, wie News24 die Sekte nennt?  

Wir wissen nicht, ob es sich um eine weitere Täuschung handelt – aber egal, ihre Aussage ist erstaunlich, denn sie steht im diametralen Gegensatz zu denen der anderen Sprecher von KwaSizabantus: Wir bieten ihnen unsere Unterstützung an und laden sie ein, sich in dieser Hinsicht an uns zu wenden.“ Sie fügte hinzu: „Es ist unsere unbedingte Absicht, daran zu arbeiten, erwiesenes Unrecht zu berichtigen, und wir verpflichten uns, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, solche Dinge wieder gut zu machen“.  

Die Außenwelt ist überrascht und fragt sich, was wahr ist: alle Lügen oder geteiltes Leid für jedes Opfer, das Missbrauch erlebt hat? 

Die aggressive Selbstverteidigung der Mission auf der einen Seite, die süßen Worte, aber auch die falschen Aussagen der Stegen-Tochter auf der anderen Seite, eine KSB-eigene Kommission zur Aufklärung der Vorwürfe, die von niemandem außerhalb der Skandalmission ernst genommen wird, jetzt auch strafrechtliche Anklagen gegen Kritiker der Mission, – Südafrikas Öffentlichkeit erlebt eine „christliche“ Organisation im Zentrum eines riesigen Skandals. Eine Mission, die ohne Führung durch eine schwere Krise taumelt.  Eine Mission, deren Stimmen sich widersprechen, deren ansonsten so selbstbewusstes Krisenmanagement außer Kontrolle gerät, obwohl Kontrolle immer das wichtigste Instrument der Macht in KwaSizabantu war. 

Die Mission KwaSizabantu, die in einem Distrikt liegt, der einst Jammerdal – Tal der Trauer – hieß, ist bis in die Grundfesten erschüttert. Sie wird nie mehr das sein, was sie einmal war. Oder das, was sie eigentlich hätte sein sollen – der „Ort an dem Menschen geholfen wird“.